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Lehrergesundheit

Ohne Gesundheit ist alles nichts – wer wollte dem widersprechen. Gesundheit am Arbeitsplatz – ein ganzes Arsenal von Schutzbestimmungen soll dafür sorgen. Auch für Lehreinnen und Lehrer? Heute ist sicher: Der Lehrerberuf ist ein Beruf mit hohen gesundheitlichen Risiken. Längst ist das in der Schulpolitik bekannt. Aber wo bleiben die Konsequenzen? Nur Selbsthilfe, oder doch mehr Unterstützung? Unsere Autoren haben eine klare Meinung…


Editorial B&E 4/2010

Liebe Leserinnen und Leser,

der römische Satiriker Juvenal hat mit seiner Sentenz „mens sana in corpore sano sit“ schon in der Antike Gesundheitsgeschichte geschrieben. Für den pädagogischen Aufklärer John Locke, der Juvenals Worte seiner Erziehungslehre voranstellte, war klar: Körper und Geist des Menschen bedingen einander. Doch was auf die Erziehung der Kinder gemünzt war, gilt selbstverständlich ebenso für die Erziehenden. Und da liegt einiges im Argen. Entgegen manchem Vorurteil arbeiten Lehrerinnen und Lehrer meistens länger als andere Arbeitnehmer. Gesundheitliche Belastungen drücken im Lehrerberuf besonders auf die Psyche – der Burnout geht um. Die Potsdamer Lehrerstudie hat für eine Analyse dieser berufsbedingten Gefährdung erstmals Grundlagen erarbeitet. B&E stellt den aktuellen Stand der Diskussion um die gesundheitlichen Gefahren im Lehrerberuf vor.

Im „Blickpunkt“ geht es einmal mehr um das Thema Inklusion. Wir wollen Licht in die rechtliche Bewertung eines allgemeinen Anspruchs auf Inklusion bringen – rechtzeitig, bevor Deutschland im März 2011 der UN über Fortschritte berichten muss. Es wird also spannend.

Ihre B&E-Redaktion



Meinung

Die Sorge um die Lehrergesundheit - nur ein Feigenblatt für die Schulpolitik?

Von Rolf Busch

Der VBE hat in den vergangenen Jahren dem Thema Lehrergesundheit viel Aufmerksamkeit gewidmet. Grundlage hierfür war unsere Unterstützung der Potsdamer Lehrerstudie unter Leitung von Prof. Dr.  Uwe Schaarschmidt. In deren Folge haben der VBE und seine Landesverbände nicht ohne Grund mehrere Initiativen gestartet, denn die gesundheitlichen Anforderungen an die Lehrerinnen und Lehrer  sind hoch. Laut Versorgungsbericht der Bundesregierung erreichen bundesweit 72 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer krankheitsbedingt nicht die gesetzliche Regelaltersgrenze. Etwa 50 Prozent der krankheitsbedingten vorzeitigen Pensionierungen erfolgen aufgrund von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.

Es ist erfreulich, dass diese Initiativen des VBE dazu geführt haben, dass die Kultusministerien der Bundesländer das Thema aufgegriffen haben. Sicher in ganz unterschiedlichem Ausmaß. Leider sind in manchen Bundesländern diese Bemühungen als Strohfeuer bereits längst abgefackelt. In den anderen, in denen die Lehrergesundheit noch von den Kultusministerien verfolgt wird, ist sie nur noch als Feigenblatt zu erkennen.

Damit dürfen wir uns nicht abfinden. Zahlreiche gesetzliche Vorschriften aus dem Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutz verpflichten hierzu. Deren Einhaltung und Kontrolle müssen wir auf den verschiedenen politischen bzw. bildungspolitischen Ebenen  deutlicher einfordern. Darüber hinaus sollte eigentlich jeder, der hier Verantwortung trägt, ein besonderes und weitergehendes Interesse an der Lehrergesundheit haben.

Leider ist immer wieder zu beobachten, dass die Wirkung geradezu konterkariert wird, wenn die ständige Erhöhung der Belastungen der Kolleginnen und Kollegen  damit gerechtfertigt wird, dass die Kultusministerien durch die Bemühungen um das Thema Lehrergesundheit gleichzeitig für Entlastung sorgen würden. In erfolgreichen Unternehmen hat man längst erkannt, dass Themen wie Motivation und Gesundheit der Mitarbeiter als  entscheidende Faktoren für den Erfolg gelten. Dies natürlich nicht nur als Lippenbekenntnis, sondern mit konkreten Maßnahmen unterlegt und auch mit finanziellen Mitteln ausgestattet.

Hierzu gehört zuerst eine fundierte Bestandsaufnahme für die einzelnen Schulen und Lehrpersonen. Den daraus abgeleiteten Handlungsfeldern müssen dann konkrete Maßnahmen folgen. Allen Schulen müssen hierfür entsprechende Angebote zur Verfügung gestellt werden. Die sehr häufig in diesem Zusammenhang geäußerten Zweifel der Finanzierbarkeit können wir nicht akzeptieren. Nur mit gesunden und motivierten Lehrpersonen werden die immer höheren pädagogischen Anforderungen in den Schulen erreichbar sein.

Deshalb gilt: Die Sorge um die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer darf in der Schulpolitik kein Feigenblatt sein. Es muss gehandelt werden. Das fängt bei der Prävention an und hört bei der Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen noch nicht auf.

Rolf Busch
1. stellvertretender Bundesvorsitzender des VBE

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