Von Jörg Funk
Noch immer schleichen sich bei mir und vielen anderen Menschen beim Lesen des Begriffs „Team“ sozialromantische Vorstellungen ein: Bilder von „Murmelgruppen“ und „Arbeitskreise“ (Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild' ich einen Arbeitskreis!), die viel Zeit kosten und wenig Ertragreiches zu bieten haben. Der Weg ist eben das Ziel…
Falsch: Das Ziel ist das Ziel! Auch und gerade teamorientiertes Arbeiten ist qualitativ hochwertiges Arbeiten und darf nicht verwechselt werden mit Beliebigkeit, Ziellosigkeit oder Strukturlosigkeit.
Warum eigentlich „Team“?
Die Kolleginnen und Kollegen, Schulen im Allgemeinen, sehen sich den allseits bekannten Veränderungsprozessen ausgesetzt, die sie bestenfalls bis gestern, ziemlich gut und natürlich „mit Bordmitteln“ (gerne auch: „ressourcenneutral“) zu bewältigen haben. Unsere Ressource sind wir, ist das Kollegium: Die Jungen, die Alten, weiblich, männlich, Teilzeit, Vollzeit, jede(r) mit seinen, Stärken, Schwächen, Idealen, Neigungen und auch manchen Absonderlichkeiten.
Dieses Team – mein Fremdwörter[!]lexikon von 1982 weist hier die Begriffe „Mannschaft, Gespann“ als Übersetzung aus – muss sich als Mannschaft erfahren, die Teamgeist hat und merkt, dass (die vielfältige) Arbeit im Team
- ökonomischer zu bewältigen ist,
- damit auch mir und meiner Gesundheit gut tut,
- mich in meinem Tun bestärkt und
- mein Repertoire erweitert.
Eben genannter Teamgeist, der den qualitativen Unterschied ausmacht beispielsweise zur Arbeitsgruppe, kann allerdings nur entstehen, wenn man zusammenwächst durch die Arbeit an einer Aufgabe, die für jeden notwendig und bedeutsam und in der Zusammenarbeit leichter zu bewältigen ist. Dann werden das gemeinsame Ringen um Inhalte, Mittel, Wege und die gemeinsame Umsetzung und spiralprozessförmig angelegte Weiterentwicklung möglich.
Was muss ich als Schulleitung tun?
Für die Entwicklung des Teamgeistes im Kollegium bzw. in Teams innerhalb des Kollegiums trage ich als Schulleitung maßgeblich Verantwortung. Zunächst ist mein Haltung gefragt: Traue ich den Kolleginnen und Kollegen etwas zu? Kann ich Verantwortung abgeben? Bereiten mir andere Herangehensweisen, als die meine, schweißnasse Nächte?
Die Qualität der Arbeit eines Teams steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gefühl, eigenverantwortlich für etwas zu sein. Ist ein Team beispielsweise mit der Erstellung des (neuen) Fortbildungskonzeptes/-programms beschäftigt, kann ich nicht mein eigenes Konzept aus der Tasche zaubern und es galant als Arbeitshilfe zur Verfügung stellen. Ich muss offen dafür sein, auch andere Lösungen als die Meine mitzutragen.
Oft ist auch mein Organisationstalent gefragt: Kann ich das Team unterstützen? Sind schulische Rahmenbedingungen so durch mich zu gestalten, dass sie ein erfolgreiches Arbeiten bedingen? Möchte ein Team beispielsweise neue Unterrichtsformen erproben und dabei auf das höchst effektive Mittel der kollegialen Hospitation zurückgreifen, kann ich dies nicht mit Hinweis auf den unumstößlichen Stundenplan blockieren.
Ich muss aber auch klar in meiner Rolle als Leitung der Schule sein: Ich muss sicherstellen, dass der großen Rahmen schon gesetzt wurde, indem (wiederum gemeinsam) allgemeine Ziele und Grundsätze der Arbeit an der Schule verbindlich festgelegt worden sind. Ich muss klare Erwartungen meinerseits formulieren, auf verbindlichen Absprachen und Vereinbarungen hin-wirken und diese auch einfordern und kontrollieren. Ist ein Team mit dem Aufbau einer Ko-operationsstruktur mit den benachbarten Schulen unterschiedlicher Schulformen beschäftigt, so muss klar sein, was ein erstes Zwischenziel sein soll, welche Schritte zum Ziel führen und wer welche Funktion/Tätigkeit übernimm. Versandet die Arbeit der Gruppe, so bin ich nicht nur inhaltlich in der Frage der Kooperation nicht weitergekommen, ich habe zudem Ressourcen vergeudet und einen Rückschlag darin erlitten, „teamspirit“ erfahren zu lassen und mir somit Unterstützer auf dem Weg der Teamentwicklung „heranzuziehen“.
Ich muss anerkennen und loben können - und zwar nicht nur murmelnder Weise hinter meinem Schreibtisch. Jeder Lehrer teilt die Erfahrung, dass Lob häufig als Schweigen daherkommt. Von unseren Kollegen, Vorgesetzten oder auch der Elternschaft wird Kritik gerne ausgesprochen, Anerkennung gerne ausgeschwiegen. Gerade auf dem Weg zu guter Teamarbeit ist es von immenser Bedeutung, die Menschen für ihren Einsatz zu loben. Denn trotz aller guten Vorreden ist Teamarbeit oft auch Schwerstarbeit. Ein ausgesprochener Dank, nicht nur im Büro der Schulleitung, sondern z. B. in der Lehrerkonferenz, ist Antrieb und Motivation - für alle.
Und wer unterstützt mich?
Auch ich als Schulleitung kann dies alles besser im Team als alleine bewältigen. Natürlich bin ich schlussendlich verantwortlich für die Qualität und Weiterentwicklung des Unterrichts und der weiteren schulischen Arbeit. Auch wenn es nicht immer ganz leicht einzusehen ist: Auch mein Horizont ist manchmal begrenzt, auch mein Tag hat nur 24 Stunden und auch meiner Gesund-heit sind Entlastungsmöglichkeiten zuträglich.
Innerhalb meines Systems ist es wichtig, für meine Unterstützerfunktion teamorientiert zu denken. Ich greife einig Beispiele auf:
- Eine Haltung des Vertrauens in die Leistungsfähigkeit der Anderen: Selbstverständlich be-gleiten mich als Leitung Sorgen und Zweifel und ich bin mir der letzten Verantwortung qua Amt bewusst. Aber neben dem Teufel auf meiner Schulter, der mir zuflüstert: „Die können das doch nicht. Das geht schief! Mach´ es lieber selber!“, brauche ich auch Engel die sagen: „Lass die mal machen, das wird schon! Vertraue ihnen und kümmere dich um andere wichtige Dinge! Du wirst sehen, das da eine richtig gute Lösung für alle bei herausspringt!“
- Mein Organisationstalent: So einfach, wie es klingt, ist es auch: Vier (oder gerne auch mehr) Augen sehen mehr als zwei! Beim Blick auf den Stundenplan, bei der Konferenzplanung oder den Überlegungen über weitere Ressourcen, die es bereit zu stellen gilt, können wiederum weitere Mitglieder der Schulleitung, der Lehrerrat, ein Steuerungsteam,… mit mir zusammen das Team sein, welches für die richtigen Rahmenbedingen erfolgreichen Arbeitens sorgt.
- Lob und Anerkennung: In der Hektik des Alltags und der Dichte an Aufträgen hechelt man vielfach von A nach B, und zwischendurch beschleicht einen der Gedanke: Bei denen müsste ich mich auch noch bedanken. Nur: „Müsste mal“ findet nie statt! Entschuldigend rede ich mir ein: Aber die wissen ja, wie gut ich ihre Arbeit finde. Das Wissen darüber ist das eine, es gespiegelt zu bekommen, ist das andere. Auch hier kann ein Team mir den nötigen Anschub geben für ein „Danke“.
Neben den Teams innerhalb meines Systems sind auch externe Teams eine große Unterstützung. Für mich als Schulleitung können befreundete Kolleginnen und Kollegen der Schul-leitung oder die Leitungen benachbarter Schulen die Gruppe sein, in der ich Unterstützung erfahre und arbeitsökonomisch, gesundheitsförderlich, motiviert und inspiriert voranschreiten kann.
Den Widerständen widerstehen
Wie immer erfahre ich auch in der Teamentwicklung Widerstände. Aber: Den Widerständen möchte ich widerstehen! Ich bin der Überzeugung, dass sich gute (!) Teamarbeit durchsetzt und durch ihre Vorteile auch der letzte Skeptiker überzeugt und eingebunden werden kann. Ich versuche, jeden mit ins Boot zu nehmen und niemanden außen vor zu lassen. So müssen Informationen, Abläufe und Hintergründe stets für alle transparent sein. Ich halte selber aktiv Ausschau nach Möglichkeiten, Brücken zu bauen und Hände zu reichen.
So wie jeder von uns weiß, welche Aspekte zu einem rundum gelungenen Konfliktgespräch beitragen und es uns doch nicht immer gelingt, ist auch die Teamentwicklung immer wieder gewissen Nackenschlägen ausgesetzt. Aber denken Sie daran: Das Ziel ist das Ziel! Oder, frei nach Erich Kästner. Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es. Viel Erfolg dabei!
Jörg Funk
Schulleiter GGS Richterich, Aachen
Referatsleiter Schulleitung des VBE Städteregion Aachen