von Udo Beckman
Schulen gehen in Führung – unter diesem Motto veranstaltet der VBE mit dem Carl Link-Verlag am 16. und 17. März 2012 in Düsseldorf erstmals den Deutschen Schulleiterkongress.
Bereits sieben Wochen vor Beginn ist der Kongress mit 1.200 Anmeldungen ausgebucht. Die Warteliste für Nachrückwünsche füllt sich zunehmend. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Veranstalter mit ihrer Themenpalette die Interessen und den Fortbildungsbedarf der Schulleiterinnen und Schulleiter im deutschsprachigen Raum genau getroffen haben. Zugleich ist diese großartige Resonanz aber auch ein Beleg dafür, wie wenig bedarfsgerechte Unterstützung Schulleitungen hierzulande – und da ist kein Bundesland auszunehmen – im schulischen Alltag und im bildungspolitischen Reform-Marathon erhalten.
Die Aufgaben von Schulleitungen haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Dies hängt nicht nur mit der erweiterten Selbstständigkeit von Schule zusammen, durch die der Schulleitung eine deutlich aufgewertete Rolle zufällt. Es ist auch die gewachsene Rechenschaftspflicht – sprich: Evaluation, die die Schulen in die Pflicht nimmt. Hinzukommt eine für Bildungsfragen sensibilisierte Öffentlichkeit. Das ist eigentlich eine gute Entwicklung, weil es dann den Haushaltsstrategen der Landesregierungen nicht mehr ganz so leicht fällt, den Rotstift anzusetzen. Andererseits stehen damit die Schulen - gerade auch viele einzelne Schulen - immer mehr im öffentlichen Rampenlicht. Und wer vertritt die Schulen dann nach außen? Richtig: die Schulleiterin oder der Schulleiter.
Im Widerspruch zu den vielfältig gestiegenen Aufgaben der Schulleitungen steht in allen Bundesländern die zur Verfügung gestellte Zeit für schulische Führungsaufgaben. Hinzukommen kommen fehlende oder zumindest mangelhafte Fortbildungsangebote sowie eine - gemessen an den gestiegenen pädagogischen Aufgaben und schulpolitischen Erwartungen - völlig unzureichende Bezahlung. Die Wirtschaft würde kein Führungspersonal gewinnen, wenn sie so schlecht bezahlen würde wie der Staat seine Schulleiterinnen und Schulleiter. Und der Schulbereich – das ist der größte Betrieb im Land!
Doch im Schulbereich haben wir nicht nur eine vergleichsweise geringe Bezahlung für Führungskräfte. Selbst in den Schulleitungsbüros spiegelt sich noch das soziale Ranking, das es zwischen den Lehrern verschiedener Schulformen noch immer gibt. Das geht hin bis zu völlig unterschiedlichen Führungsstrukturen, obwohl doch alle Schulleitungen letztlich den gleichen – also gleichwertigen – pädagogischen Auftrag haben.
Für den VBE ist diese historisch gewachsene, aber weder sachlich noch gesellschaftspolitisch begründbare Ungleichheit in einer modernen demokratischen Schule fehl am Platz. Der VBE fordert mit seinem Motto „Mehr Gerechtigkeit wa(a)gen“ deshalb auch die Anerkennung der Gleichwertigkeit schulischer Führungsarbeit ein – ohne Unterschied der Schulart oder Schulstufe. Lehrer sind Lehrer – und weil Schulleiter nun ´mal Lehrer sind, sind Schuleiter auch Schulleiter. So einfach kann Bildungspolitik sein.
Udo Beckmann
VBE-Bundesvorsitzender
u.beckmann(at)vbe.de