Obwohl der Lehrerbedarf aufgrund der Pensionierungszahlen weiter ansteigen wird, entscheiden sich immer weniger junge Menschen für den Lehrerberuf. Schlechte Einstellungsbedingungen, eine hohe Berufsbelastung und ein geringes Ansehen in der Öffentlichkeit sind Gründe für diese Situation.
Bereits seit Jahren wird es von der Politik versäumt, dem Lehrermangel entgegenzuwirken und den Berufsstand erstrebenswerter für junge Leute zu gestalten. Geringe Bezahlung der Lehramtsanwärter/innen, Referendare /innen und Berufsanfänger/ innen, befristete Teilzeitverträge ohne Perspektiven, Einstellung in Zwangsteilzeit, keine Aufstiegschancen in den meisten Schulformen, keine Einstellungen junger Lehrerinnen und Lehrer entsprechend dem tatsächlichen Bedarf - um nur einiges zu nennen - schrecken vielmehr auch die letzten potentiellen Bewerber/ innen noch ab.
Anstatt eine langfristige und nachhaltige Einstellungspolitik zu verfolgen und eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu gewährleisten, agiert die Politik vielerorts mit Aktionismus, der den Bildungsnotstand kaschieren soll. Nach PISA wurde an Stelle der notwendigen Suche nach Ursachen für den Bildungsnotstand in Deutschland allzu häufig die Schuldzuweisung gesetzt. Die Diskussion um notwendige inhaltliche Reformen bleiben allzu oft in Strukturfragen stecken.
Wer die Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen ernst nimmt und das „Haus Bildung„ wirklich vor dem Zusammenfall retten will, muss bereit sein, in Bildung und in jene, die Bildung vermitteln, zu investieren. Unser Beruf ist eine Berufung, eine Profession mit hohem Anspruch und großer Wertigkeit für die Gesellschaft, nicht einfach nur ein Job. Lehrer sind Profis für Bildung und Erziehung. Dafür haben sie an der Universität ein wissenschaftliches Studium absolviert und somit die notwendigen Grundlagen des Berufes - fachliche, methodisch-didaktische, pädagogische und soziologisch-psychologische Kompetenzen - erworben.
In der Öffentlichkeit spiegelt sich dies jedoch so nicht wider. Im Gegenteil: Es wird sogar einer Entprofessionalisierung Vorschub geleistet, indem z.B. Quereinsteiger aufgrund der nicht zu behebenden Lehrermangelsituation für den Beruf zugelassen werden.
In den nun folgenden Grundpositionen sollen unsere Forderungen verdeutlicht werden.
Die Bildungschancen unserer Kinder werden entscheidend mitgeprägt von der Qualität der Lehrerbildung. Die Aufgaben des Lehrerberufs sind vielfältig (u.a. Unterrichten, Erziehen, Beurteilen, Beraten, Diagnostizieren, Fördern, Innovieren) und erfordern unter anderem erziehungswissenschaftliche, psychologische, fachwissenschaftliche, fachdidaktische und methodische Kompetenz/ Qualifikationen.
Junglehrerinnen und Junglehrer sind durch Ihre Ausbildung hochqualifizierte Experten für Unterricht und Erziehung.
Die ADJ im VBE stellt fest, dass die bestehende Ausbildungspraxis an den Universitäten und Studienseminaren nicht mehr den Anforderungen, denen die Kolleginnen und Kollegen heutzutage ausgesetzt sind, entspricht. Die ADJ fordert deshalb die stärkere Verzahnung der drei Phasen, damit der Theorie-Praxis- Bezug in allen Phasen gegeben ist.
· Ein Lehramtsstudium, das auf folgenden vier gleichgewichteten und gleichwertigen Säulen basiert: Erziehungswissenschaft, Fachwissenschaft, Fachdidaktik, schulpraktische Studien.
· Ein mindestens dreiwöchiges Praktikum in einer Schule als Voraussetzung für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums. Hier werden die Lehramtsstudenten mit den verschiedenen Anforderungen des Berufes konfrontiert.
· Ein mindestens achtsemestriges Studium an der Universität für alle Lehrämter. Die Universität ist der einzig angemessene Ort für die erste Ausbildungsphase. Nur hier kann das für ein Lehramtsstudium erforderliche breite Fächerspektrum bereitgestellt und können - durch die hier bestehende Verbindung von Forschung und Lehre - Qualifikationen vermittelt werden, die professionelles Lehrerhandeln auszeichnen. Die Anforderungen an Lehrkräfte sind heutzutage so vielfältig, dass eine entsprechend lange Studiendauer unbedingt für alle Lehrämter notwendig ist. Wir wehren uns entschieden gegen die Benachteiligung einzelner Schulformen. Alle Lehrämter sind gleichwertig!
· Ein gemeinsames Grundstudium für alle Lehrämter. Hier werden die Grundlagen der Erziehungswissenschaften, Fachwissenschaften und Fachdidaktiken erworben. Hinzu kommen Inhalte der Informationsverarbeitung, der politischen Bildung, der unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen der Schüler/innen verschiedener Schulstufen und ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Dieses Wissen ist notwendige Voraussetzung für alle Lehrämter, um die Schüler/innen später entsprechend ihren Begabungen fordern und fördern zu können. Das Grundstudium schließt mit einer Zwischenprüfung, die nicht mit einer Lehrbefähigung gleichzusetzen ist! In einem darauf aufbauenden Hauptstudium beginnt die spezifische Ausbildung für die verschiedenen Schulformen.
· Studienbegleitende Pflichtpraktika in verschiedenen Schulstufen (Klassen 1-4, 5-10, 11-13).
Hierbei ist eine Verzahnung der 1. und 2. Ausbildungsphase durch eine kontinuierliche und gemeinsame Begleitung und Betreuung der Studierenden durch die Lehrenden der Universitäten und des Vorbereitungsdienstes zu gewährleisten. Die schulpraktischen Studienanteile sind von Anfang an zu vernetzen und integriert zu studieren. Die fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und erziehungswissenschaftlich-pädagogischen Anteile müssen ständig in Beziehung gebracht werden.
· Eine Erhöhung der erziehungswissenschaftlichen Anteile für alle Lehrämter aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse.
· Eine Ausbildung, die lehrerpersönlichkeitsbildende Inhalte wie Teamfähigkeit, Stressmanagement, sozialpädagogische Kompetenz und Evaluationskompetenz einschließt, aber auch zu Diagnostik, Beratung, Prognose und Elternarbeit befähigt.
· Eine 24-monatige Referendarzeit, die den Anwärter qualifiziert, den Anforderungen des oben beschriebenen Lehrerbildes zu entsprechen, und die mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Eine gemeinsame Begleitung und Betreuung der Lehramtsanwärter/ innen durch die Lehrenden der Universitäten und des Vorbereitungsdienstes ist dabei weiterhin zu gewährleisten.
· Die Lehramtsanwärter/ innen erproben sich im eigenverantwortlichen und selbstständigen Unterricht unter Begleitung des Mentors. Einen bedarfsdeckenden und somit unbegleiteten Unterricht lehnt die ADJ ab, da hier das Primat der Ausbildung aufgegeben wird.
· Keine Verringerung der Ausbildungsanteile, welche im Seminar stattfinden, da sie der unverzichtbaren praktischen Reflexion und Weiterentwicklung dienen.
· Eine qualifizierte Aus- und Fortbildung der Fachleiter/ innen, Mentoren/ innen mit entsprechender Freistellung.
ist gekennzeichnet durch die Verpflichtung, mit Hilfe von Lehrerfortbildungen dem steten Fortschritt und Wandel in Forschung und Gesellschaft nachzukommen.
· Den Lehrerinnen und Lehrern muss die Möglichkeit geboten werden, an qualifizierten Fortbildungen teilzunehmen, um auf die sich ständig verändernden gesellschaftlichen Anforderungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und pädagogische Situationen reagieren zu können.
· Ein Fortbildungsangebot, das eine kontinuierliche pädagogische und psychologische Begleitung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet.
Die ADJ fordert die Errichtung von Lehrerbildungszentren, in denen Ausbildungsvertreter/ innen alle drei Phasen der Aus- und Weiterbildung koordinieren.