Deutscher Lehrertag 2005: VBE will Ende der Selektion im Schulsystem

 

Freiburg - Für eine „konsequente Beseitigung des selektiven Ansatzes im deutschen Bildungssystem“ sprach sich heute der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger in Freiburg im Breisgau aus. An der dortigen Universität veranstaltet der VBE heute seinen Deutschen Lehrertag 2005 zum Thema „Schule und Ge-rechtigkeit“.

 

Vor den rund 200 Lehrkräften, Schulleitern, Vertretern der Schulaufsicht und Kultusministerien sowie Politkern führte Eckinger aus: „Die Bildung eines jeden muss im Interesse aller liegen. Dadurch zeichnet sich Demokratie aus. Doch in der Realität wird akzeptiert, dass jeder zehnte die Schule ohne jeden Abschluss verlässt, jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland kaum lesen kann und die Jugendvollzugsanstalten überfüllt sind.“ Der Verfassungsauftrag sei in Deutschland schwer beschädigt, mahnte der VBE-Bundesvorsitzende. „Die selektive Grundidee des Bildungssystems legitimiert auch die Aufteilung unserer Profession in ‚niedere’ und ‚höhere’ Lehrer an ‚niederen’ und ‚höheren’ Lehranstalten“, sagte Ludwig Eckinger. Tendenziell würden Lehrerinnen und Lehrer zu Zielscheiben gescheiterter Lebensentwürfe ihrer Schülerinnen und Schüler.

 

Der VBE will den Paradigmenwechsel im Bildungssystem und deshalb grundsätzlich nach oben offene Bildungswege. Auf dem Deutschen Lehrertag des VBE wurde dies bekräftigt. Ludwig Eckinger forderte, „das Bildungssystem vom Kopf auf die Füße“ zu stellen. „Eine Bildungskarriere beginnt nicht in der Sekundarstufe II. Wir müssen früh beginnen und das Fundament im Elementar- und Primarbereich stärken“, unterstrich Eckinger. Der VBE will, dass die Kindergärten als Bildungseinrichtungen für alle Kinder zugänglich werden. Eine Schuleingangsphase als Verbindungsglied zwischen Kindergarten und Grundschule soll den individuellen Bildungsgang jedes Kindes fortführen. Die gemeinsame Unterrichtszeit soll in einer mindestens sechsjährigen Grundschule stattfinden. In der Sekundarstufe I sollen alle Schulformen real weiterführende Schulen werden.

 

Zum Schulstrukturstreit betonte Ludwig Eckinger in Freiburg: „Der VBE lehnt eine reine Strukturdebatte ab. Auch eine ‚Schule für alle’ würde scheitern, wenn sich nicht grundsätzlich die Rahmenbedingungen ändern. Wir brauchen in den Schulen ein pädagogisches Netzwerk, das die professionelle Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer durch ein psychologisches, sozialpädagogisches und medizinisches System ergänzt und unterstützt.“

 

Der Deutsche Lehrertag des VBE findet jährlich statt und ist eine der großen Veranstal-tungen des VBE auf Bundesebene. Der 24. Deutsche Lehrertag wurde heute um 10 Uhr an der Freiburger Universität eröffnet.

 

 

VERBAND BILDUNG UND ERZIEHUNG www.vbe.de

Behrenstraße 23/24 10117 Berlin Tel.: 030 – 726 19 66-0 Fax: 030 – 726 19 66-18

V.i.S.d.P. Mira Futász, Pressereferentin E-Mail: presse@vbe.de Tel.: 030 – 726 19 66-17 mobil: 0178 – 845 20 86

 

 

RSS | Print this page