10 Jahre VerA – das Ziel ist verfehlt. Schulen brauchen Unterstützung statt Testeritis.

Gemeinsam für Bildung 

Eine gute Schule ist Lern- und Lebensort.

Wie die Menschen in ihr zusammen leben und lernen, bestimmt ihre Qualität.

Schule lässt sich nicht reduzieren auf messbare Fachleistungen,
- sie ermöglicht Erfahrungen, die alle Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung voranbringen;
- sie erhebt selbstbestimmtes Leben und Lernen zum Ziel und zum Gestaltungsprinzip des schulischen Alltags;
- sie stellt jeder Schülerin und jedem Schüler – bezogen auf ihr / sein jeweiliges Können – herausfordernde Aufgaben und fördert damit Leistung;
- sie beschämt nicht, sondern bietet jedem Kind die Unterstützung, die es für seine Entwicklung benötigt;
- sie fragt nicht, ob Kinder und Jugendliche zu ihr passen, sondern heißt jede und jeden willkommen.
So steht es in Richtlinien und Lehrplänen, so fordern es Eltern und PädagogInnen und so hat es die UN- Kinder-rechtskonvention 1989 rechts verbindlich zum Ausdruck gebracht. 

Alle Schulen können sich in diesem Sinne entwickeln.
Sie brauchen dafür Impulse, sie brauchen konstruktive Kritik und alltagstaugliche Hilfen. Diese setzen ein stimmiges Verhältnis von Pädagogik und Evaluation voraus:
- Respekt für die Sichtweisen des Gegenübers und Bereitschaft zum Aushandeln unterschiedlicher Deutungen.
- Verantwortung aller Beteiligten und gegenseitiges Vertrauen. 

Die VerA-Tests helfen weder den Schulen noch den Kindern.
Die Maßnahmen der Bundesländer reduzieren Qualitätssicherung auf standardisierte Leistungsmessung und Inspektion von oben.
Als belastend und wenig hilfreich erleben viele Schulen die jährlichen Vergleichsarbeiten (VerA), flächendeckend in allen dritten und achten Klassen:
- VerA beschränkt sich auf leicht messbare Ausschnitte in den Hauptfächern.
- Die Bewertungen nach falsch / richtig unterschlagen die Bedeutung von Zwischenschritten.
- Die Aufgabentypen prägen Unterricht und Lehrwerke einseitig.
- Die Ausrichtung an »Regelstandards« ist defizitorientiert, missachtet unterschiedliche Voraussetzungen der SchülerInnen und ist inklusionsfeindlich.
- VerA erfasst nur, was ist, und bringt kaum Hilfe, um Schule zu verbessern – vor allem fehlt es an Unterstützung für LehrerInnen in schwierigen Situationen.
- Der Aufwand für VerA ist hoch, verschlingt viel Geld und bindet Lern- und Arbeitszeit.
- Der Ertrag für Förderung ist gering, Ressourcen für päda­gogische Vorhaben, Schul- und Unterrichtsentwicklung fehlen.
- Die unterschiedliche Umsetzung von VerA in den Bundes­ländern führt auch auf der Systemebene zu schiefen Vergleichen. 

Schulen brauchen Unterstützung.
Schulen sind auf Anstöße von außen angewiesen. Der Fremdblick ist wichtig, um die Binnensicht zu ergänzen, er ist ihr nicht überlegen. Schulen sollen als aktive Partner in die externe Evaluation einbezogen und in ihrer Evaluationskompetenz gestärkt werden. Dabei können Tests das persönliche Urteil ergänzen, nicht ersetzen. Wichtiger als die technische Perfektionierung von Messmethoden ist ihr Ertrag für Schulentwicklung und individuelle Förderung. Sinnlos sind immer neue Bestandsaufnahmen bekannter Schwächen, wenn es an Mitteln zu deren Überwindung fehlt.

Die Aus-, Fort- und Weiterbildung des pädagogischen und des Leitungspersonals muss als der Schlüssel für die Schul-, Unterrichts- und Qualitätsentwicklung anerkannt und ent­sprechend gefördert werden. 

Wir fordern:
- die Evaluation aller Maßnahmen der Bundesländer zur Qualitätssicherung durch unabhängige ForscherInnen,
- die Beschränkung der Systemevaluation auf Stichproben und ihre Entzerrung auf einen drei- bis fünfjährigen Zyklus statt jährlich flächendeckender Erhebungen,
- ein Repertoire an nachhaltig wirkenden Evaluationsinstrumenten (z. B. alltagstaugliche, förderdiagnostische Instrumente, Aufgabenpools als Angebot, Supervisionsangebote), das den Schulen zur Verfügung stehen muss,
- praxisnahe Fortbildungen für LehrerInnen in Schul- und Unterrichtsevaluationsinstrumenten, Lernbeobachtung und differenzierter Förderung,
- Zeit und Mittel für Maßnahmen, damit Schulen Konsequenzen aus den Evaluationsergebnissen ziehen können. 

Frankfurt a. M., im Mai 2014 

Udo Beckmann
Bundesvorsitzender VBE – Verband Bildung und Erziehung 

Klaus Wenzel
Präsident BLLV – Bayerischer Lehrer und Lehrerinnenverband 

Marlis Tepe
Bundesvorsitzende GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft 

Maresi Lassek
Vorsitzende Grundschulverband

 

 

 

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