kopfbild

Ganztagsschule

 

Resolution des VBE Bundeshauptvorstandes vom 15. November 2002

 

Wo Ganztagsschule drauf steht, muss auch Ganztagsschule drin sein!

 

Veränderungen in der Arbeitswelt und den Familien haben die Lebenssituation vieler Kinder und Jugendlicher stark gewandelt und erschwert.

• Der Geburtenrückgang seit Ende der 60er Jahre hat Auswirkungen auf die Situation der Kinder und Jugendlichen gehabt. 1969 lebten 40 Prozent aller Kinder in Haushalten mit drei oder mehr Kindern. 1985 lebten nur noch 25 Prozent aller Kinder in solchen Familien. Der Trend zur kleineren Familie hält an und hat dazu geführt, dass 34 Prozent aller Kinder als Einzelkinder aufwachsen.

• 1975 lebten 7,5 Prozent aller Kinder in einem Haushalt mit einem Alleinerziehenden, heute sind es 17 Prozent.

• 60 Prozent aller Frauen sind heute berufstätig; 1972 waren es in den alten Bundesländern 40 Prozent.

• Die Erwerbsorientierung bei Frauen hat deutlich zugenommen. Für viele Familien sind Kinder nur dann wünschenswert, wenn sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. Wenn Eltern Erziehungszeiten für ihre Kinder wahrnehmen, verringert sich das Einkommen der jungen Familien.

• Die gesellschaftliche Situation der Eltern hat sich gewandelt. Der individuelle Anspruch ist in den letzten Jahren gewachsen. Die früher Biografie prägenden Traditionen und Lebensmuster sind in den Hintergrund getreten. Eine Vielfalt von zum Teil konkurrierenden Kulturen und Einflüssen bestimmt den Alltag und kann bei Eltern, Kindern und Jugendlichen zu Verunsicherungen führen.

Deutschland benötigt daher mehr Ganztagsschulen, um Unterricht und Erziehung, kognitives und soziales Lernen stärker miteinander zu verbinden.

Ganztagsschulen benötigen dazu entsprechende räumliche, sächliche und personelle Ausstattung. Die Ganztagsschule darf keine Verwahranstalt sein, sie muss nach pädagogischen Grundsätzen gestaltet werden.

Der Bundesregierung geht es lediglich um Ganztagsbetreuung. Ihr Milliardenpaket unter dem Etikett „Ganztagsschule“ ist selbst bei Einsatz von pädagogisch ausgebildetem Personal allenfalls ein sozialpolitisches Angebot, aber keine Antwort auf PISA.

Das Milliardenpaket, das die Bundesregierung zur Verfügung stellt, muss an das Angebot echter Ganztagsschulen gebunden sein, das pädagogisch und bildungspolitisch eine Antwort auf die PISA-Studie ist.

Wo Ganztagsschule draufsteht, muss auch Ganztagsschule drin sein.

RSS | Seite empfehlen | Druckansicht