17.03.17 09:00

Politik muss weitere Schritte zur Auflösung des Gender Pay Gap ergreifen


Equal Pay Day 

„Wir müssen stets aufmerksam bleiben und versuchen, strukturelle Benachteiligung von Frauen abzubauen. Weil diese öfter in sozialen Berufen tätig sind, Auszeiten für Betreuung und Pflege nehmen und in Teilzeit arbeiten, werden sie schlechter bezahlt. Es braucht die gesamtgesellschaftliche Einsicht, dass Betreuungs- und Pflegezeiten für unsere Gesellschaft essenziell sind und hierdurch wertvolle Soft Skills erworben werden, die als Qualifikation zu berücksichtigen sind. Tarifverhandlungen und Besoldungsgespräche können die strukturelle Benachteiligung nicht auflösen. Aber wir haben im Blick, dass wirklich alle von Erhöhungen profitieren. Aus diesem Grund haben wir uns bei der diesjährigen Tarifverhandlungsrunde des öffentlichen Dienstes auch für eine soziale Komponente eingesetzt. So erhalten alle Beschäftigten mindestens 75 Euro mehr", stellt der VBE-Bundesvorsitzende, Udo Beckmann, anlässlich des Equal Pay Day am 18. März 2017 heraus. 

Im Vorfeld des Equal Pay Day hat das Statistische Bundesamt Zahlen veröffentlicht, wonach der durchschnittliche Unterschied im Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern nicht länger 22 Prozent, sondern 21 Prozent betrage. Weiter wurde mitgeteilt, dass fast drei Viertel des unbereinigten Gender Pay Gap auf strukturelle Unterschiede zurückzuführen sind. 

Die Bundessprecherin der VBE-Frauenvertretung, Jutta Endrusch, macht deutlich, dass dies kein Grund zur Freude ist: „Mit der Erklärung 'strukturelle Unterschiede' wird versucht, das Problem kleinzureden. Wenn Frauen in Teilzeit arbeiten, erhalten sie weniger Gehalt. Dabei wird so getan, als würden sich Frauen extra aus dem Arbeitsmarkt ziehen. Wir dürfen die andere Seite der Medaille nicht vergessen: Teilzeitarbeit im Büro und Teilzeitarbeit bei Betreuung und Pflege zu Hause – so wird ein Schuh draus. Auch Auszeiten für Betreuung und Pflege dürfen nicht vergessen werden. Dafür werden Frauen doppelt abgestraft: heute mit weniger (oder keinem) Gehalt, morgen mit weniger Rente.“ 

Endrusch fordert deshalb: „Es braucht einen gesamtgesellschaftlichen Ruck. Lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle müssen – auch im Bildungsbereich – erprobt und evaluiert werden. Als ein Faktor ist der Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit hervorzuheben. Zudem müssen wir weg von der Präsenzkultur und auch für Führungspositionen sind flexible Arbeitszeiten, Jobsharing und das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Frauen dürfen nicht länger finanziell abgestraft werden, wenn sie Kinder betreuen oder Angehörige pflegen."


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