14.02.14 10:30

Schulleitermangel hausgemacht: hohe Anforderungen, schlechte Bedingungen, geringes Ansehen


forsa-Umfrage im Auftrag des VBE 

Nur ein Viertel der Bundesbürger meint, Schulleiter haben ein hohes Ansehen. Weniger als ein Drittel halten Schulleiter ausreichend für ihre Aufgaben vorbereitet. Nur vier Prozent meinen, der Ruf einer Schule hängt eher vom Schulleiter ab. In NRW geben 52 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder an, für ihr Kind wahrscheinlich eine Schule nicht zu wählen, wenn die Schulleiterstelle nicht besetzt ist. Das ergab die jüngste repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des VBE, die 2011 erstmals erhoben worden war.   

„Die öffentlichen Arbeitgeber verweigern der schulischen Führungsarbeit nach wie vor die nötige Wertschätzung“, kritisierte heute auf dem Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann (ebenfalls Landesvorsitzender in NRW) bei der Vorstellung der forsa-Umfrage im Auftrag des VBE. Das Kernproblem sei, dass „im öffentlichen Dienst für schulische Führungskräfte die nötigen Führungsressourcen nicht bereitgestellt werden“. Beckmann weiter: „Der VBE fordert eine ausreichende Leitungszeit, weniger Unterrichtsverpflichtung, die Bereitstellung von Fortbildungsbudgets, damit Personalentwicklung überhaupt machbar wird, eine berufsbegleitende Qualifizierung, die Ausstattung mit dem nötigen Verwaltungspersonal, eine attraktive Bezahlung der Führungsverantwortung und die Anerkennung der Gleichwertigkeit von Schulleitung.“ Der Mangel an Schulleitern sei hausgemacht. Besonders an Grundschulen, an kleinen ländlichen Schulen sowie an Schulen in Brennpunktgebieten würden ausgeschriebene Schulleiterstellen gar nicht oder nur mit sehr gutem Zureden wieder besetzt. „Von den Betroffenen wird im wahrsten Sinne des Wortes die volle Führungsverantwortung, oft sogar die volle Unterrichtsverpflichtung, erwartet“, so Beckmann, „das jedoch ohne wertschätzende Bezahlung, ohne notwendige Leitungszeit und ohne Vorbereitung auf und Begleitung im neuen Berufsfeld.“ 

Beckmann warf den Ländern „Dornröschenschlaf statt überzeugender Handlungskonzepte“ vor. „In der Öffentlichkeit wird der skandalöse Umgang mit Schulleitern richtig wahrgenommen“, stellte Udo Beckmann unter Hinweis auf die forsa-Ergebnisse von 2014 und 2011 fest. „Das Ansehen der Schulleiter in der Bevölkerung verharrt auf einem niedrigen Niveau. Ein Viertel aller Befragten meint, Schulleiter haben ein hohes Ansehen. In NRW meinen dies nur 21 Prozent und von den Eltern schulpflichtiger Kinder 25 Prozent“, so Beckmann. „Es ist alarmierend, dass lediglich weniger als ein Drittel der Bundesbürger und 42 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder Schulleiter ausreichend für ihre Aufgaben vorbereitet halten. In NRW verneinen das 49 Prozent aller Befragten und 51 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder.“ 

Beckmann mahnte, dass auch Elternentscheidungen davon abhängen, ob eine Schulleiterstelle besetzt sei. „In NRW geben 52 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder an, wenn die ausgewählte Schule ohne Schulleiter ist, würde sie das wahrscheinlich von einer Entscheidung für diese Schule abhalten. Deutschlandweit liegt dieser Wert zwar bei 49 Prozent, steigt jedoch signifikant mit dem Bildungsabschluss der Eltern an. 54 Prozent der Eltern mit Hochschulreife oder Hochschulabschluss sehen eine unbesetzte Schulleiterstelle als Hinderungsgrund an, ihr Kind an eine solche Schule zu geben.“ 

Um die Arbeit der Schulleiter mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen und schulische Führungskräfte im Amt zu unterstützen, veranstaltet der VBE gemeinsam mit Wolters Kluwer seit 2012 jährlich den Deutschen Schulleiterkongress „Schulen gehen in Führung“. Der DSLK 2014 findet bis 15.02.2014 im CCD Süd Düsseldorf statt.


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