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VBE-Chef reagiert auf IGLU

Hessens Schulwesen braucht Erneuerungen - VBE fordert zusätzliche Zuweisung von För-derstunden – Verantwortliches Handeln ist gefragt

 

PD Nr. IV/3/2008

 

Mainhausen - Abwägend und fordernd reagierte der hessische VBE-Landesvorsitzende auf die heute veröffentlichten IGLU-Ergebnisse. „Ich warne vor Schnellschüssen, die nur einen not-wendigen Konsens erschweren“, leitete Deckert seine Stellungnahme ein. Im Übrigen könne man Ergebnisse auch schlecht reden. „So schlecht sind unsere Grundschulen nämlich nun auch nicht.“

 

„Ich fühle mich in meiner Kritik bestätigt, dass wir auf dem besten Weg zum Test-Weltmeister Deutschland sind“, fuhr Deckert fort. „Das ständige Testen fördert nur stän-dig neue Diskussionen. Wer aber kritisiert, muss auch sagen, ob er mit den Ergebnissen asiatischer Staaten auch zugleich deren autoritären und teilweise menschenunwürdigen Schulalltag will. Wir setzen auf Erziehung zur Selbständigkeit und zur Verantwortung“, betonte Deckert. „Das aber kostet Zeit. Und Zeit erhalten wir eben nur durch kleinere Klassen und Gruppen, in denen die Lehrkraft sich mehr einzelnen Kindern zuwenden kann.“

 

Im Übrigen, so Deckert weiter, bräuchten hessische Schulen dringend Deputatsstunden als Verfügungsmasse, um gezielt und direkt auf Probleme vor Ort eingehen zu können. Davon aber sei man noch weit entfernt. Nur so lasse sich eine weitere Verbesserung erreichen. „Als ersten Schritt müssen zwei Zusatzstunden je Klasse den Grundschulen zugewiesen werden. Die derzeitige Regelung mit 0,7 Stunden, aus denen zudem noch andere Notwendigkeiten bedient werden müssen, ist ein Treppenwitz“, präzisierte Deckert.

 

Zeit brauche man auch für Erfolge. Änderungen im Bildungswesen zeigten sich erst nach einiger Zeit, wenn die getesteten Schüler auch von Maßnahmen profitiert hätten. „Wer ständig sofort Maßnahmen will, um sofort Erfolge zu sehen, hat das Bildungssystem nicht verstanden. Was wir allerdings brauchen, sind Sofort-Maßnahmen, die uns in der Zukunft in Hessen besser als auf Platz 13 dastehen lassen. Ich hoffe, dass dies in Hessen trotz der anstehenden Wahlen rechtzeitig zum neuen Schuljahresbeginn gelingt“; mahnte der VBE-Landeschef.

 

Deckert richtete auch ein Wort an die Eltern, um sie in die Mitverantwortung zu nehmen: „Gute Leseleistungen entstehen und werden auch gefördert durch das Elternhaus. Lesen Sie mit Ihrem Kind – oder noch besser: Lassen Sie sich vorlesen“, ergänzte Deckert. „Es reicht eben nicht, vor dem Fernseher zu sitzen und ins Kinderzimmer zu rufen: Lies mal ein Buch ...!“

 

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