VBE-Landesvorstand schlägt Alarm:
„LEHRERNACHWUCHS GIBT ES NICHT ZUM MINDESTLOHN!“
- Einstellungsbedingungen und Einkommen für junge Lehrkräfte nachhaltig verbessern -
„Es ist ein Skandal, von Bildungsoffensiven zu sprechen und gleichzeitig nicht genug Lehrer einzustellen. Die CDU/FDP-Landesregierung vernachlässigt das Bemühen um den Lehrernachwuchs.“ So fasste die Landesvorsitzende Gitta Franke-Zöllmer am Freitag in Bad Nenndorf die Diskussion im Landesvorstand des Verbandes Bildung und Erziehung vor der 2. Lesung des Landeshaushalts in der kommenden Woche zusammen.
„Wenn in den nächsten 5 Jahren etwa 30.000 Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand verabschiedet werden, müsste die Landesregierung sich spätestens jetzt um positive Bedingungen für Neueinstellungen bemühen.“ Der VBE fordere jährlich zusätzlich 500 neue Ausbildungsplätze in den Seminaren. Es könne nicht sein, dass Lehramtsbewerber mit Examensnoten von 1,8 ein Jahr auf der Straße stehen. Gleichzeitig forderte die VBE-Landesvorsitzende die Wiederanhebung der Anwärterbezüge um 25 Prozent. Wörtlich: „Wie sollen denn zum Beispiel Referendare mit 900 Euro monatlich u.a. ihre Miete, ihren Lebensunterhalt und bei den weiten Entfernungen zur Schule, zum Seminar ein Auto finanzieren?“ Dies sei auch landeshaushaltsmäßig zu schultern, weil die angehenden Lehrkräfte bis zu 12 Sunden (pro Woche) planmäßigen Unterricht erteilten.
Und weiter: „Es ist nicht verwunderlich, dass in den Grundschulen über 90 Prozent der Lehrkräfte weiblich sind. Skandalöse 1.300 Euro monatlich reichen für eine junge Kollegin nicht für die Familienplanung. Dagegen wird ein junger Gymnasialkollege vollbeschäftigt und mit ca. 2.500 Euro nach A13 besoldet. Wir fordern deshalb, dass ab 2008 die Grundschulstellen als Vollzeitstellen ausgeschrieben werden und die zwangsweise Teilzeitbeschäftigung, die zu dieser prekären in Richtung Sozialhilfe tendierenden Schieflage geführt hat, aufzugeben.“ Angesichts der neuen PISA und IGLU-Studien sei eine Erhöhung der Unterrichtsinvestitionen im Primarbereich ohnehin notwendiger denn je.
Unter dem Beifall der Vorstandsmitglieder sprach sich der anwesende Bundesvorsitzende Dr. Ludwig Eckinger dafür aus, bei den Beratungen der Föderalismusreform II im Artikel 115 des Grundgesetzes Bildung als Investition zu verankern: „Solange Ausgaben für Bildung und auch für Forschung vor allem als konsumtive Ausgaben gelten, wirken sich Haushaltszwänge in direktem Wege negativ auf diese Bereiche aus.“ In seinem Referat „Nachhaltige Bildungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland“ geißelte er die unkoordinierte und kleinstaatliche Lehrerarbeitsmarktpolitik in den Bundesländern, die sich dem jeweiligen Diktat der Finanzminister zu unterwerfen habe. „Angesichts der von führenden Köpfen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jeden Tag geforderten Bildungsoffensive, die überlebenswichtig für den Standort Deutschland ist, gebiert der Bildungsberg in der Realität nur eine Maus.“