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Johannes Müller: Unterrichtsversorgung müsste besser sein!

 

Mainz, 1. August 2008

 

PD 19/2008

 

 

Schulpolitik / Start zum Schuljahr 2008-2009 / Unterrichtsversorgung / Reformvorschlag:

 

Unterrichtsversorgung steht im neuen Schuljahr auf wackeligen Beinen!

 

„Das Konzept Vertretungsreserve durch Feuerwehrlehrer ist gescheitert!“

 

VBE schlägt Neugestaltung einer Lehrerreserve für alle Schularten vor

 

 

„Wenn sich am kommenden Montag die Schultüren in Rheinland-Pfalz öffnen, steht die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr 2008/2009 auf wackeligen Beinen.

 

So kann im Bereich der fast 1.000 Grundschulen des Landes das Konzept Vertretungsreserve durch Feuerwehrlehrkräfte als gescheitert gelten, nachdem Feuerwehrlehrkräfte immer häufiger als langfristiger Lehrerersatz verplant und sogar in Schulleitungsfunktionen eingesetzt werden. Der ursprüngliche Sinn dieser kurzfristig einsetzbaren Vertretungsreserve, plötzlich auftretende Versorgungsengpässe auszugleichen, wird dadurch immer weiter unterlaufen, zudem es viel zu wenig Feuerwehrlehrkräfte gibt.

 

Außerdem gehen wir davon aus, dass – abgesehen vom strukturellen und damit bereits geplanten Defizit - der kurzfristig auftretende Unterrichtsausfall durch Krankheiten u. ä. die Marge des letzten Schuljahres nicht unterschreiten wird. Diese war nach einer stichprobenartigen Sondererhebung vom Mainzer Bildungsministerium selbst mit einer Ausfallquote von 3,2% beziffert worden. Das sind hochgerechnet immerhin ca. 22.500 Lehrerwochenstunden oder ca. 900 Lehrerstellen, die an den Schulen fehlen. Nur an der Hälfte der Schulen fiel nach dieser Stichprobe kein Unterricht aus. Selbst das von der Landesregierung hochgelobte und heiß propagierte Projekt erweiterte Selbstständigkeit von Schulen, kurz PES, konnte diese Situation an den entsprechenden Schulen nur mildern: Immerhin fielen auch hier 2,5% des Unterrichts kurzfristig aus.

 

Der VBE schlägt deshalb vor, für die dringend benötigte bessere Unterrichtsversorgung - die allein aufgrund der zahlreichen schulpolitischen und pädagogischen Reformen an den Schulen unabdingbar ist – die Lehrerreserve in Rheinland-Pfalz neu zu gestalten. Diesmal allerdings für alle Schulen!“

 

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz, Johannes Müller, äußerte sich am Wochenende (01. August 2008) vor Beginn des Schuljahres 2008/2009 zu der zu erwartenden Unterrichtsversorgung an den Schulen in Rheinland-Pfalz. Er bezog sich dabei auch auf die vom Bildungsministerium in Mainz auf Druck des rheinland-pfälzischen Landtags durchgeführten Sondererhebungen zum Unterrichtsausfall im vergangenen April, an der 1.617 allgemein bildende Schulen – das sind unter Abzug der Schulkindergärten 95% - teilgenommen haben.

 

Johannes Müller: „Der Vorschlag des VBE für eine Neugestaltung der Lehrerreserve ist ebenso einfach wie umsetzbar: Wir fordern, die den Schulleitungen verbleibenden Unterrichtsstunden nicht mehr auf das Lehrerwochenstundenkontingent der einzelnen Schulen anzurechnen. Diese Unterrichtsstunden sollen als Unterrichtsreserve zur Verfügung gestellt werden - also auf das Stundenvolumen der einzelnen Schulen aufgeschlagen werden. Im Gegenzug können alle bisherigen Maßnahmen zum Ausgleich des Unterrichtsausfalls weitgehend entfallen.“

 

Mit dieser Regelung werde kurzfristigen Versorgungsengpässen durch einen strukturellen Aufschlag vorgebeugt. - „Vorsorge ist die beste Medizin – das gilt auch für die Unterrichtsversorgung an rheinland-pfälzischen Schulen!“, so der VBE-Landesvorsitzende.

 

Zur Erklärung führte der VBE-Landeschef aus: „Schulleitungen erhalten zur Erledigung ihrer Schulleitungsaufgaben Anrechnungsstunden, die von ihrem Deputat abgezogen werden. Z. B. erhält die Leiterin einer typisch zweizügigen Grundschule 10,5 Anrechnungsstunden, so dass bei einer vollen Unterrichtsverpflichtung von 25 Unterrichtsstunden á 50 Minuten 14,5 Stunden für den Unterricht verbleiben. Nach unserem Vorschlag sollen diese Stunden zur Abdeckung des auftretenden Unterrichtsausfalls dienen und nicht – wie jetzt üblich – dem Stundenvolumen der Schule zugerechnet werden. Werden sie dafür nicht in Anspruch genommen, besteht endlich mehr Zeit für individuelle Fördermaßnahmen und Projekte, an der es an allen Ecken und Enden mangelt. Unsere Forderung nach einer Neugestaltung der Lehrerreserve hat also ein doppeltes Ziel: Wir wollen damit Unterrichtsausfall zuverlässig vermeiden und das pädagogische Angebot verbessern!“

 

Natürlich sei klar, so der VBE-Landesvorsitzende, dass für große Schulen dieser Vorschlag einer Lehrerreserve nur eine Grundlage für weitere strukturelle Verbesserungen sein könne, da an diesen Schulen die Anrechnungsstunden für Schulleitungen umfangreicher seien und damit die verbleibenden Unterrichtsstunden geringer ausfallen. Auch bedeute die Inanspruchnahme der verbleibenden Unterrichtsstunden der Schulleitungen für die Lehrerreserve nicht, dass nur Schulleitungen Vertretungsunterricht abdecken sollen. Mit einem entsprechenden Stundenäquivalent könnten auch Lehrkräfte eingestellt bzw. eingesetzt werden.

 

Voraussetzung für die Umsetzung des VBE-Vorschlags einer Neugestaltung der Lehrerreserve in Rheinland-Pfalz sei allerdings ein strukturelles Versorgungs-Defizit von Null. Das heißt: Das Lehrerwochenstunden –Soll an den Schulen muss auch das Stunden-Ist sein, so Johannes Müller.

 

„Letztlich wird es wieder einmal auch eine Frage der Finanzierung sein, ob unser Vorschlag einer strukturellen Lehrerreserve Chancen auf Realisierung hat“, so der VBE-Landesvorsitzende. „Dazu sagen wir ganz klar: Die Unterrichtsversorgung muss besser werden, zum Nulltarif ist das nicht zu haben. Das wissen und wollen auch die Eltern, die bei ihren Kindern eine ganz andere Schulwirklichkeit erleben als sie von der Landesregierung mit blumigen Worten beschrieben wird!“

 

Der VBE-Landeschef: „ Unser Vorschlag entspricht im Volumen ca. 1.500 Lehrerstellen oder 60 Mio EURO. Wenn man dagegen alle Ausgaben für Vertretungsunterricht aufrechnet, einschließlich aller abgeschlossenen Verträge für z.T. unterqualifiziertes Personal, inklusive der Ausgaben für PES, einschließlich der bisherigen Vertretungsreserve durch Feuerwehrlehrer, und wenn man dann noch die pädagogischen Verbesserungen mit einkalkuliert, kann es leicht sein, dass per Saldo der VBE-Vorschlag einer Neugestaltung der Lehrerreserve an allen Schulen in Rheinland-Pfalz das Land weniger kostet als die heutige, für alle Beteiligten unbefriedigende Praxis zur Bekämpfung des Unterrichtsausfalls.“

 

Johannes Müller: „ Das wäre doch eine Prüfung wert, oder?“

 

 

 

 

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