Mainz, 09. Dezember 2009
PD 33/09
Bildungspolitik / Bologna-Prozess, Bachelor-Studium/ Studentenproteste / Sitzung der Kultusminister am 10.12.09:
VBE zur Reform der Bachelor-Studiengänge: Kultusminister müssen sich bewegen
Johannes Müller: „Das Schwarze-Peter-Spiel muss aufhören!“
VBE warnt: Bologna-Prozess fördert völlig falsches Lernen
„Für die Proteste der Studierenden gegen den kontraproduktiven Leistungsdruck in den Bachelor-Studiengängen haben offensichtlich alle Beteiligten großes Verständnis - jeder auf seine Weise. Doch wenn alle Verständnis dafür haben, dann haben auch alle um die Missstände gewusst - Kultusminister und Hochschulen an erster Stelle. Das zeigt, wie berechtigt die Proteste der Studierenden wirklich sind. Dann anders als durch unkonventionelle Proteste ist die gemeinsame Ignoranz vieler für den Bologna-Prozess Verantwortlicher nicht zu durchbrechen.
Wenn am Donnerstag die Kultusminister der Länder über eine Reform der Bachelor-Studiengänge beraten, dann müssen sie sich endlich bewegen und dem Schwarze-Peter-Spiel um die Schuldigen an der Hochschulmisere ein Ende bereiten. Der VBE fordert von der Kultusministerkonferenz klare Ergebnisse, die auch in allen Ländern umgesetzt werden:
• Abbau des Prüfungs- und Klausurmarathons, um den Leistungsdruck auf ein normales Maß zu reduzieren;
• Verlängerung der Bachelor-Studiengänge auf acht Semester, um die internationale Anerkennung der Abschlüsse zu gewährleisten;
• Überarbeitung der Studienstruktur, damit eine bessere Anpassung an die Erfordernisse der Bachelor-Master-Studiengänge gewährleistet wird;
• Zugang zum Master-Studiengang für alle Bachelor-Absolventen, um die Berufschancen zu sichern.“
Mit dieser Stellungnahme äußerte sich der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Johannes Müller, zu den morgen in Bonn beginnenden Beratungen der Kultusminister der Länder über eine Reform des Bologna-Prozesses an den Hochschulen. Hintergrund dafür sind die seit Monaten anhaltenden Proteste der Studierenden an den deutschen Hochschulen.
Der VBE-Landeschef wies darauf hin, dass das Übermaß an Prüfungen und Tests durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge zu einem völlig falschen Lernverhalten der Studierenden zurückführe, das man in der Schule seit vielen Jahren bekämpfe.
Johannes Müller: „Heute muss an der Uni wieder wie vor hundert Jahren gepaukt werden, um die nächste Prüfung zu schaffen. Dabei wird Wissen nur für die Prüfung gespeichert, nachhaltiges Lernen – wie wir es als Pädagogen fördern wollen – wird dadurch zerstört. Aus pädagogischer Sicht ist es tragisch, dass wir durch die scheinbare Modernisierung unserer Hochschulen im Bologna-Prozess in ein Lernverständnis aus dem 19. Jahrhundert zurückfallen!“
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