Mainz, 19. Januar 2012
PD 02/12
Schulpolitik / Debatte des Landtags Rheinland-Pfalz über Eine Schule für alle:
Johannes Müller: Abbau sozialer Ungleichheit gelingt auch mit einem Zwei-Säulen-Modell
„Es ist gut, dass sich die GRÜNEN endlich, nach monatelanger Abstinenz - eigentlich, seit Sie in der Regierung sitzen – in der bildungspolitischen Debatte zurückgemeldet haben. Ob allerdings das Thema Eine Schule für alle dafür gut gewählt ist, ist aus Sicht des VBE Rheinland-Pfalz zumindest fragwürdig.
Ohne Zweifel ist längeres gemeinsames Lernen nicht nur pädagogisch, sondern auch gesellschaftspolitisch sinnvoll und schulpolitisch erstrebenswert. Dafür gibt es 1.000 gute Gründe und mehr.
Nicht erst seit PISA wissen wir, dass gerade in Deutschland ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen bzw. Bildungserfolg besteht. Dieser Zusammenhang muss abgebaut werden. Und das geht natürlich besonders gut mit einer Schule, auf die alle gehen. Die Grundschule ist eigentlich ein gutes Beispiel, dass das funktionieren kann.
Aber wer eine Schule für alle will, muss auch sagen, dass dann das Gymnasium abgeschafft werden muss. Das ist weder heute noch in absehbarer Zeit gesellschaftspolitisch machbar oder gewollt und für jede Partei, die das betreibt, politischer Selbstmord, auch für die GRÜNEN.“
Der Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Lehrergewerkschaft VBE, Johannes Müller, äußerte sich heute anlässlich der Debatte im Mainzer Landtag z dem von den GRÜNEN in die Diskussion gebrachten Vorschlag Eine Schule für alle.
Der VBE-Landeschef weiter: „Wir kommen, wenn wir unserem Schulsystem den Abbau von sozialer Ungleichheit abbauen wollen, nicht um die gesellschaftlichen Realitäten herum. Man kann natürlich das Gymnasium zur Schule für alle machen. Doch dann verliert das Gymnasium jene Privilegien, von denen es zum Teil (noch) lebt. Das wäre gesellschaftlich auch nicht gewollt.“
Johannes Müller fasste die schulpolitischen Positionen des VBE Rheinland-Pfalz in dieser Frage so zusammen:
„Wir brauchen neben dem Gymnasium einen Bildungsgang, der auf andere Weise zum gleichen Ziel, dem Abitur, führt. So halten wir es für schulpolitisch realistisch, auf die Realschule plus eine Oberstufe aufzusetzen, die – weiter als die Fachoberschule – bis zur Hochschulreife führt. Integrierte Gesamtschulen machen das ja schon.
Der VBE fordert deshalb seit vielen Jahren die Zweigliedrigkeit des Schulsystems als eine pragmatische, ideologisch nicht vorbelastete Struktur, die ohne Zweifel zu mehr gemeinsamem Lernen führt und dadurch auch soziale Herkunft und Bildungserfolg entkoppeln kann. Wir halten das – insbesondere unter dem Druck der demografischen Entwicklung – für umsetzbar. Eine Schule für alle nicht.“