Leitantrag des SLLV-Landesausschusses 2008
Saarlouis - Laut der „Potsdamer Lehrerstudie“ ist die Lehrerschaft erheblichen Belastungen ausgesetzt, was sich nicht zuletzt in alarmierenden Zahlen von Dienstunfähigkeit und vorzeitiger Pensionierung aufgrund psychischer und psychosomatischer Probleme ausdrückt. In der öffentlichen Meinung – auch in Äußerungen mancher Politiker – existiert noch immer das Lehrerbild vom Halbtags-Jobber. Die Berufswirklichkeit sieht jedoch anders aus – unabhängig von der Schulform:
Sie besteht aus viel mehr als der reinen Unterrichtsverpflichtung und umfasst immer mehr außerunterrichtliche Tätigkeiten wie Verwaltung, Beratung, Konfliktbewältigung, Konferenzen, Dienstbesprechungen, Vergleichsarbeiten, Qualitätssicherung, Lernstandsanalysen, Förderkonzepte, Verhandlungen mit anderen Einrichtungen usw., usw. Für die gesamte Lehrerschaft liegen deutlich höhere psychophysische Risiken vor als für andere Berufsgruppen – auch bei Berücksichtigung regionaler sowie geschlechts- und altersspezifischer Unterschiede:
Lehrerinnen und Lehrer sind hohen und nicht ausreichend kompensierten psychischen und körperlichen Anforderungen ausgesetzt. Diese Bedingungen führen zu einem Verschleiß an psychischer und physischer Leistungsfähigkeit und zwingen den größeren Teil aller Lehrkräfte dazu, ihr Berufsleben vorzeitig zu beenden. Auffällig ist der geringe Erholungswert von Unterrichtspausen, so dass die Leistungsfähigkeit der Lehrkräfte im Laufe des Tages erheblich abnimmt. Bei den Meisten treten dauernde gesundheitliche Schwierigkeiten wie Ernährungsstörungen, Beschwerden im Bewegungsapparat oder Kreislaufprobleme auf. Hinzu kommen psychische Probleme wie erhöhte Reizbarkeit, Schlafstörungen und verminderte Konzentrationsfähigkeit.
Die Lücke zwischen hohem Anspruch und tatsächlichen Arbeitsbedingungen in der Schule ist also deutlich zu groß! Deshalb hat der Landesausschuss des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes (SLLV) auf seiner Tagung in Eppelborn erneut mit Nachdruck gefordert:
- Deutliche Senkung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrerinnen und Lehrer als Ausgleich für außerunterrichtliche Tätigkeiten!
- Änderung der Klassen-Messzahl: Keine Klassen über 25 Kinder für alle Schulformen und kleinere Lerngruppen an den Förderschulen!
- Anhebung der „Leitungs-Zeit“ für Schulleiterinnen und Schulleiter auf mindestens die Hälfte der Unterrichtsverpflichtung und keine Klassenleitung!
- Zusätzliche Fachkräfte für Sozialarbeit und Verwaltung!
In zahlreichen Anträgen zur Schul- und Bildungs- sowie zur Gewerkschafts-Politik wurde darüber hinaus neben anderem eine angemessenere Lehrerbesoldung, der Ausbau der schulpsychologischen Betreuung und eine wöchentliche Klassenlehrer-Stunde gefordert. Sehr intensiv bereitete der Landesausschuss der größten Interessen-Vertretung der Lehrer/innen im Saarland die im Frühjahr 2009 anstehenden Hauptpersonalrats-Wahlen vor.