Wenn das höchste Gremium des Verbandes Bildung und Erziehung berät, dann gehört dazu natürlich auch ein Rückblick auf das Geleistete und auch die inhaltliche und personelle Ausrichtung für die Arbeit in den nächsten fünf Jahren.
Der VBE steht nicht für das Beharren auf dem Alten um jeden Preis, aber Bewährtes sollte erhalten bleiben.
Der VBE steht nicht für schulpolitische Schnellschüsse und bildungspolitische Experimente auf dem Rücken der Schüler, Eltern und Lehrer, aber Bildung muss sich mit der Gesellschaft entwickeln.
Diese Positionen waren in der Arbeit der Vertreter des Verbandes in den verschiedenen Gremien auf Landesebene zu erkennen, z. B.
- im Landesschulbeirat
- im Podium Bildung
- im Bildungskonvent
Das Podium Bildung, auf Initiative des Landesschulbeirats und des Kultusministeriums einberufen, wurde in seiner Arbeit auch durch den VBE mit beeinflusst. Die Ergebnisse der Beratungen, die schließlich im Papier „Eine gute Schule - Anforderungen und Entwicklungsbedingungen“ mündeten, bestimmten weitere Inhalte der schul- und bildungspolitischen Arbeit. Es bildet eine Grundlage für den im Jahr 2007 durch den Landtag eingesetzten Bildungskonvent des Landes Sachsen-Anhalt. In diesem Gremium wurden und werden parteiübergreifend verschiedene wichtige und grundlegende bildungspolitische Themen und Probleme beraten und als Handlungsvorschläge für die Politik, für den Landtag, formuliert. Diese reichen von Fragen der frühkindlichen Bildung über Veränderungen des förderschulpädagogischen Systems bis zu Fragen der Gestaltung eines allgemein akzeptierten und guten Schulsystems für Sachsen-Anhalt. So ist es dem VBE durch aktive Mitarbeit gelungen, z.B. bezüglich der Formulierung von Vorstellungen zur Um- und Neugestaltung des Förderschulwesens, das vollständige Auflösen des doch guten Förderschulsystems in seiner gesamten Breite zu verhindern. Um Forderungen und Vorstellungen hinsichtlich der inhaltlichen personellen Gestaltung der zukünftigen inklusiven Bildung durchzusetzen, wurde gemeinsam mit der GEW ein Katalog entwickelt und am 18.5 2009 allen Landtagsfraktionen sowie dem Kultus- und dem Sozialministerium überreicht. In darauf folgenden Gesprächen mit den Landtagsfraktionen wurden die gemeinsamen, aber auch unterschiedlichen Positionen zwischen den Fraktionen und der GEW und dem VBE ausgetauscht.
Auch die Entwicklung der Berufsbildenden Schulen des Landes wurde beraten.
Angesichts des bevorstehenden Schülerrückgangs und der ständigen zu niedrigen Unterrichtsversorgung wurde eine Neuausrichtung, Neuorientierung dieser Schulen erörtert. Auch hier konnte der VBE seine Vorstellungen mit in die Handlungsempfehlungen einbringen.
Ein weiteres Thema stellte die Lehrerbildung dar. Angesichts des drohenden Lehrermangels in den nächsten Jahren und der Umstellung der Studienrichtungen und Studiengänge im Rahmen des Bologna-Prozesses auf das Bachelor-Master-System steht die Frage der Lehrerbildung in Sachsen-Anhalt auf dem Prüfstand. So hatte der Bildungskonvent empfohlen, das bisherige Ausbildungssystem weiter so zu belassen. Perspektivisch soll ein Lehrer einen Masterabschluss besitzen.
Während der gesamtem Zeit, von Ende 2005 bis Ende 2009, wurde die schulpolitische und bildungspolitische Diskussion von der Frage einer anscheinend längst überfälligen Schulstrukturänderung begleitet. Dabei geht es um mehr als nur um eine einfache Strukturänderung. Hier handelt es sich um gravierende Veränderungen in allen schul- und bildungspolitischen Bereichen. Dazu gehören z. B. die Verbesserung der Bildungschancen, die Frage des längeren gemeinsamen Lernens, die Entkopplung der sozialen Herkunft und der Chance auf einen höheren Schulabschluss inklusive Bildung. Bei genauer Betrachtung und intensiver Diskussion, wie sie auch innerhalb der verschiedenen Gremien des VBE stattfand, zeigte und zeigt sich, dass vielmehr Veränderungen innerhalb der jeweiligen Schulformen notwendig sind.
Hier positionierte sich der VBE eindeutig zur zweigliedrigen Schulstruktur mit Sekundarschule und Gymnasium im Anschluss an die Grundschule. Die Sekundarschule soll sowohl den Hauptschulabschluss als auch den Realschulabschluss ermöglichen. Im Gymnasium ist das Abitur am Ende der 12. Klasse zu erreichen.
Dies zeigte sich in vergangenen Jahren in den verschiedenen Anhörungen zu Schulgesetzänderungen, Änderungen von Verordnungen und anderen Anhörungsverfahren, in denen der VBE seine Positionen und Standpunkte vertrat.
Die Schulgesetzänderungen beinhalten z. B. Fragen der Regelung der Zweitkorrektur des Abiturs, die Kostenreduzierung für den Schülerverkehr in der Sekundarstufe II bzw. für Schülerinnen und Schüler an Berufsbildenden Schulen, die Neuregelung der Kostenerstattung für Schulen in freier Trägerschaft oder zur Neuerrichtung des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt.
Wesentlich erschwert und belastet wird die schul- und bildungspolitische Arbeit des VBE im Land durch das im Herbst 2006 vorgelegte Personalentwicklungskonzept. Mit diesem Personalkonzept will das Land versuchen, bis zum Jahr 2020 massive Personaleinsparungen vorzunehmen. In den dazu durchgeführten Anhörungen machten wir unseren Standpunkt deutlich, dass ein Stellenabbau zu Verschlechterungen in der schulischen Arbeit führt. Außerdem wurden immer wieder die zugrunde liegenden Zahlen bezweifelt, insbesondere bei den pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Da dem Land Sachsen-Anhalt ein massiver Abbau des Personalüberhangs laut eines Personalentwicklungskonzepts bevorstehen wird, machte der VBE in den Anhörungen zu diesem immer wieder auf die bildungspolitischen Folgen aufmerksam. Insbesondere wenn nicht genügend jüngere und junge Lehrkräfte eingestellt werden, droht den Schulen im Land eine starke Überalterung, eine „Vergreisung“ der Lehrkräfte.
Der Vertretertag entlastete den „alten“ geschäftsführenden Vorstand und dankte den VBE-Vertretern in den unterschiedlichen Gremien für ihre Arbeit.
Mario Arlt kandidierte aus gesundheitlichen Gründen nicht noch einmal als Landesvorsitzender. Er hatte jahrelang und erfolgreich den Verband geführt. Die damit verbundene personelle Neuausrichtung verlief ziemlich hektisch und war geprägt von Irritationen. Die Wahl von Helmut Pastrik als neuen Vorsitzenden, sowie die Wahl der Stellvertreter Birgit Münchhausen, Steffi Wagener, Torsten Salomon waren ein Zeichen für eine funktionierende innerverbandliche Demokratie. Als Schatzmeister wurde Dieter Hohlbein bestätigt.
An dieses Wahlergebnis knüpfen sich hohe Erwartungen hinsichtlich einer Arbeit mit frischem Elan, um durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit bis in die VBE-Kreis- und Stadtverbände hinein, den VBE als echte gewerkschaftliche Alternative zur Geltung zu bringen. Der gute Ruf des VBE als bildungspolitischer Partner muss ausgebaut werden.
7.04.2010