Der VBE Bundesverband

Position Digitalisierung

Digitalisierung und Schule

Aufgrund der großen und weiter wachsenden Bedeutung der Digitalisierung für das alltägliche Leben, aber auch für die Schule, hat sich die VBE Bundesversammlung auch auf Ihrer Zusammenkunft im November 2017 mit diesem Thema befasst. Sie hat den VBE Bundesvorstand damit beauftragt, sich über die Position von 2016 (Digitalisierung und Schule) hinaus hiermit zu beschäftigen und bei der Politik deutlich zu machen, was es hierfür bedarf, nämlich:

  • Fortbildungsangebote,
  • Ressourcen in Form von Stundenpools,
  • auf die Dauer von fünf Jahren angelegte digitale Schulentwicklungsprozesse,
  • Unterstützung durch externe Systembetreuer und interne Medienbetreuer,
  • einer eigenverantwortlichen, individuellen und von außen professionell begleiteten Konzeptentwicklung jeder einzelnen Schule.

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Postition zur Digitalisierung und Schule

Der Einzug der Digitalisierung in unsere Gesellschaft stellt in seiner Radikalität für alle Institutionen, insbesondere für die Schulen, eine große Herausforderung dar. Denn es verändern sich dadurch Prozesse und Inhalte des Lernens und des schulischen Lebens.

In diesen Prozess tiefgreifender Veränderungen müssen die Lehrerinnen und Lehrer von Beginn an systematisch einbezogen werden. Die Implementierung digitaler Medien in den Unterricht und die Vermittlung von Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern verbunden mit einer medienethischen Ausrichtung kann nur gelingen, wenn die Lehrerinnen und Lehrer aktiv „mit- und ernstgenommen“ werden. Dazu bedarf es:

  • breit angelegter langfristiger – auf die einzelne Schule zugeschnittene – Fortbildungsangebote und
  • umfassender zeitlicher und personeller Ressourcen – in Form von zusätzlichen Stundenpools
  • sowie die Umsetzung des digitalen Schulentwicklungsprozesses auf die Dauer von fünf Jahren anzulegen
  • einer zuverlässigen Unterstützung durch einen schulexternen „Systembetreuer“ und einen schulinternen „Medienbetreuer“
  • einer eigenverantwortlichen, individuellen und von außen professionell begleiteten Konzeptentwicklung jeder einzelnen Schule.

Die Realisierung von Digitalisierung in der Schule bedeutet aber auch die Umsetzung eines modernen und zeitgemäßen Lern- und Leistungsbegriffs. Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf den Prozess des Lernens, was wiederum Auswirkungen auf Leistungsfeststellung haben kann. Deshalb braucht es: Möglichkeiten alternativer und zeitgemäßer Leistungsfeststellungsmethoden. Diese sind von Seiten der Schulverwaltung rechtlich abzusichern. 

Im Zentrum von Schule und Unterricht stehen die Persönlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer, die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern, das gemeinsame Lernen sowie die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen. Die Digitalisierung und die digitale Bildung hat deshalb auf zwei Arten Relevanz für die Schulen: Erstens geht es darum die Kinder und Jugendlichen fit zu machen für die Zukunft und die Teilhabe an einer Gesellschaft, in der digitale Medien zur Normalität geworden sind. Digitale Bildung ist somit ein Kernelement, das alle Kinder benötigen und das für zukünftige Lebenschancen steht. Es geht zweitens aber auch darum, dass digitale Medien ein Hilfsmittel und Werkzeug für Lehrkräfte sein können, durch das sie die heterogene Schülerschaft individuell und bestmöglich fördern können. Sie sind demnach auch ein Weg zur Umsetzung von mehr Bildungsgerechtigkeit. Digitale Bildung dient in diesem Sinne guter Bildung und nicht um gekehrt. Hierfür benötigen die Schulen und die Lehrerinnen und Lehrer entsprechende Rahmenbedingungen und Ressourcen, ohne die das qualitätsvolle Arbeiten, Lehren und Lernen mit digitalen Medien nicht möglich ist. Um passgenaue Lösungen entwickeln zu können, die der Vielfalt der Schüler und der Lehrkräfte an den Schulen gerecht werden, ist es erforderlich, dass die Eigenverantwortlichkeit der Schulen gestärkt wird.

Eine nachhaltige und gesunde Implementierung dieses Prozesses ist nur möglich, wenn ausreichend Zeit in Form eines entsprechenden Stundenpools zur Verfügung steht.

Der Einsatz digitaler Medien im individualisierten Unterricht konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit den neuen Formen des Lernens und die Lehrerinnen und Lehrer vor die Herausforderung neuer Leistungsfeststellungsmethoden. Es müssen ihnen deshalb zuverlässige neue Formen der Leistungsbeobachtung, der Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung an die Hand gegeben werden, damit der Einsatz digitaler Medien als hilfreich, unterstützend und bereichernd erlebt werden kann.