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Berlin, Frühkindliche Bildung

Betreuungsgeld ist Rolle rückwärts

„Das heutige Ja der Bundesregierung zum Betreuungsgeld konterkariert den Ausbau der Kita- und Krippenplätze“, kritisiert VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann den Beschluss des Bundeskabinetts. Es sei zugleich der Versuch, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 weiter auszuhöhlen. Jutta Endrusch, Vorsitzende der VBE-Bundesfrauenvertretung, stellt fest: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass viele Politiker nicht die Zeichen der Zeit verstanden haben, den drohenden Fachkräftemangel nur durch attraktive und qualifizierte Angebote, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, verhindern zu können. Das Betreuungsgeld als ‚Herdprämie‘ ist nicht das richtige Signal und benachteiligt wieder einmal in erster Linie die Frauen und insbesondere solche aus den unteren Einkommensgruppen.“ 

Endrusch weiter: „Der Mehrbedarf an Erzieherinnen – allein 14 000 im Westen – und Tagesmüttern bzw. -vätern (im Westen zwischen 16 000 bis 27 000) ist von den Verantwortlichen völlig unterschätzt worden. Was schon nicht nachvollziehbar ist. Für geradezu skandalös halte ich, dass der erforderliche Personalbedarf durch eine Aufweichung bestehender bewährter gesetzlicher Bestimmungen erfolgen soll. Dazu zählen die Aufhebung der Akkreditierungspflicht von Fachschulen und -akademien, die Öffnung der Ausbildungsverordnung für die berufsbegleitende Teilzeitausbildung und die Vereinfachung der Zulassungsvoraussetzungen für die Erzieherinnenausbildung. Hier wird eine Rolle rückwärts in Sachen Qualität der Erzieherinnenausbildung gemacht. Anstatt der von allen Beteiligten geforderten Anhebung der Professionalität in der Erzieherausbildung und der längst überfälligen Anpassung an europäische Standards kommt es hier zu einer weiteren massiven Aufweichung bei den Qualitätsansprüchen in Deutschland, da Quantität wieder einmal die Qualität dominiert.“ Die Attraktivität dieser Tätigkeiten sei aktuell sehr gering, so Endrusch. Deshalb würden Erzieherinnen in den Einzelhandel abwandern und Frauen seien häufig nur in der Zeit als Tagesmütter tätig, in der sie ihr eigenes Neugeborenes betreuten.