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Dortmund, Inklusion

Inklusion müssen Bund, Länder, Kommunen gemeinsam umsetzen

Deutscher Lehrertag 2013 in Dortmund

Über 1 000 Lehrerinnen und Lehrer sind heute zum Deutschen Lehrertag 2013 in das Dortmunder Kongresszentrum Westfalenhallen gekommen. Der wichtigste bundesweite Weiterbildungstag für Lehrpersonen aller Schulstufen ist damit auch in diesem Jahr ausgebucht. Er wird organisiert vom VBE Bundesverband, Verband Bildungsmedien und VBE NRW. Wie in den Jahren zuvor geht es um die inklusive Schule. Das Motto des Deutschen Lehrertages lautet: „Individuell fördern. Wie geht das?“

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Zur Eröffnung betonte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) und Landesvorsitzender in NRW: „Es ist falsch verstandener Föderalismus, angesichts der Herausforderungen, die allein auf den Bereich Schule zukommen, den Bund per Kooperationsverbot komplett aus der Verantwortung für die Schulpolitik in Deutschland zu nehmen. Wir fordern von der Politik: Schluss mit dem Zuständigkeitsgerangel. Statt Kooperationsverbot muss ein Kooperationsgebot gelingen!“ Der VBE erwarte von den schwarz-roten Koalitionären in Berlin ein positives Signal für eine Erweiterung des Grundgesetzes, so Beckmann. „Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und muss gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen verwirklicht werden.“ Inklusion könne nicht gelingen, solange die nötigen personellen, sächlichen und räumlichen Ressourcen unter Finanzierungsvorbehalt gestellt würden. Die Lehrkräfte in allen Ländern zeigten eine hohe Bereitschaft, sich für die neuen Aufgaben weiter zu qualifizieren, doch fühlten sich von der Politik im Stich gelassen. „Der VBE fordert einen transparenten breiten Dialog, in dem die Sorgen und Nöte der Beteiligten nicht klein geredet sondern ernst genommen werden. Bei der Umsetzung der Inklusion darf es keine Verlierer geben, weder bei den Kindern mit noch ohne Beeinträchtigung.“

Weiter verwies Beckmann auf die infratest dimap Umfragen von 2013 und 2011 im Auftrag des VBE zur Inklusion: „Der Rückhalt in der Bevölkerung für die Inklusion ist beeindruckend. 71 Prozent der Bundesbürger und in NRW 69 Prozent sehen im gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen in der Grundschule Vorteile. Im gemeinsamen Lernen in weiterführenden Schulen sehen bundesweit zwei Drittel der Bürger darin Vorteile wie schon vor zwei Jahren. Auch wenn inzwischen ein Drittel der Bürger bundesweit und in NRW sagt, die Bereitschaft der Politik sei da, die Inklusion finanziell abzusichern, ist das eine Minderheit. Acht von zehn Bundesbürgern sehen die Absenkung der Klassenstärken als eine Voraussetzung gemeinsamen Lernens.“ Beckmann warnte: „Es besteht die Gefahr, dass die Politik die Inklusion vor die Wand fährt.“

Der Vorsitzende des Verband Bildungsmedien e. V., Wilmar Diepgrond, sagte: „Eines der wichtigsten Themen gerade in der schulischen Praxis ist ein möglichst individualisierter Unterricht. Es bedeutet den Kern aller Bemühungen um die bestmögliche Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Es ist die zentrale pädagogische Herausforderung für uns alle.“ Diepgrond kritisierte die oft unzureichenden Rahmenbedingungen an den Schulen und forderte angemessene Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie angemessene Etats für Bildungsmedien und technologische Ausstattung.

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Hinweis:
KMK-Vizepräsidentin und Schulministerin in NRW Sylvia Löhrmann spricht auf dem Deutschen Lehrertag ein Grußwort. Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Institut für Sonderpädagogik und Rehabilitation der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, hält den Hauptvortrag: „Classroom Management in inklusiven Lerngruppen“. Ab Mittag werden in über 30 Workshops Erfahrungen und Anregungen zur individuellen Förderung vermittelt.