Berlin, Lehrerbildung/-mangel

Global erfassen, national lenken

Bildungsgipfel ISTP in Berlin:

Nationale Ausrichter begeistern Gäste mit ISTP 2016 in Berlin 

Aufschlussreiche Vorträge, spannende Beiträge und angeregte Diskussionen: Mit den abschließenden Beratungen der Länderdelegationen am 4. März 2016 ging der 6. International Summit on the Teaching Profession (ISTP) in Berlin erfolgreich zu Ende. 

Die rund 400 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Gewerkschaften, Verbänden, Wissenschaft und Praxis nahmen viele wertvolle Impulse für ihre tägliche Arbeit mit nach Hause und zeigten sich am Ende des Kongresses begeistert. Insgesamt waren Vertreter aus 23 Staaten in Berlin zu Gast. Unter dem Motto „Professionalisierung von Lehrkräften: Voraussetzungen für gute Unterrichtsqualität und beste Lernergebnisse“ tauschten sich die Beteiligten zwei Tage lang über aktuelle Entwicklungen in der Bildungspolitik aus. 

Der Kongress thematisierte die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie die Professionalisierung, Anerkennung und Akzeptanz des Berufs. Der Bildungsgipfel war zudem von intensiven Diskussionen über guten Unterricht und Bildungsstandards geprägt. Dies spiegelt die zentrale Bedeutung der Lehrkräfte in der Bildungspolitik wider. 

„Die Frage, was guten Unterricht ausmacht, ist ein Dauerbrenner: Welche Kompetenzen und Kenntnisse werden von erfolgreichen Lehrkräften erwartet. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Grundlage für erfolgreiches Unterrichten eine fundierte bildungswissenschaftliche und fachliche Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte ist. Ein besonderer Fokus sollte sich dabei auf den gelingenden Umgang mit Diversität richten. Die Länder werden ihre Anstrengungen deshalb bei der Erstausbildung von Lehrkräften an den Hochschulen und im Vorbereitungsdienst, aber auch in der Fortbildung weiter intensivieren“, sagt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, Dr. Claudia Bogedan. 

Dringenden Nachholbedarf sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei dem Thema „Inklusion“. „Lehrerinnen und Lehrer brauchen zusätzliche Kompetenzen, um die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler inklusiv zu gestalten. Darauf muss in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte entsprechend reagiert werden“, unterstreicht GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Sie macht deutlich, dass ihre Organisation diese Anstrengungen unterstütze und beispielsweise in ihrem „Zukunftsforum Lehrer_innenbildung“ Lösungsvorschläge erarbeite. „Doch damit allein ist es nicht getan. Für eine gelingende Inklusion brauchen Schulen personelle und materielle Ressourcen. Hier ist die Politik gefordert.“ In Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz und der Bildungsforschung sollten zudem Maßnahmen weiterentwickelt werden, die der systemischen Unterstützung der Schulen dienen. 

„Der Summit in Berlin hat unmissverständlich klargestellt: Auf die Lehrerinnen und Lehrer kommt es an“, betont VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. „Es ist dem VBE sehr wichtig, dass dieser supranationale Dialog zwischen Bildungsgewerkschaften und Regierungen darin übereinstimmt, dass der Lehrerberuf gestärkt werden muss. Die Persönlichkeit einer Lehrkraft kann niemals durch eine App ersetzt werden. Bildungsreformen müssen von der Politik auf die professionelle Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer ausgerichtet werden. Uns ist es wichtig, dass die mit der KMK auf dem Summit vereinbarten Schlussfolgerungen die Herausforderungen festhalten, die den Lehrerinnen und Lehrern unter den Nägeln brennen. Für den Umgang mit stark heterogenen Lerngruppen, schulischer Inklusion, Beschulung von Flüchtlingskindern müssen in der Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung dringend weitere Angebote entwickelt werden, die auf der engen Verknüpfung von Schulpraxis und Erziehungswissenschaften fußen. Dies unterstreicht auch die Forsa-Lehrerbefragung im Auftrag des VBE.“