Berlin, Lehrerbildung/-mangel Integration

Lehrermangel gefährdet Alphabetisierung

Welttag der Alphabetisierung

„Nur, wer die Sprache eines Landes beherrscht, kann am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und am Arbeitsmarkt teilhaben. Dafür sind Grundfertigkeiten im Sprechen, Lesen und Schreiben essenziell. Das gilt für Ansässige in gleicher Weise wie für Zugewanderte“, sagt Udo Beckmann, VBE-Bundesvorsitzender, anlässlich des Welttags der Alphabetisierung. An diesem erinnert die UNESCO seit 1966 an die Bedeutung von Alphabetisierung und Erwachsenenbildung. 

Offiziell gibt es in Deutschland 2,3 Millionen Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Insgesamt rund 7,5 Millionen Menschen sind sogenannte funktionale Analphabeten. Sie können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte verstehen. Beckmann kommentiert: „Für diese Menschen ist es wichtig, sich ohne Angst und Scham öffnen zu können und Hilfe angeboten zu bekommen. Die Politik fördert einige Projekte der Erwachsenenbildung, sollte aber im Blick haben, dass auch für diesen Bereich an allen Ecken und Enden Lehrerkräfte mit entsprechender Qualifizierung fehlen.“ 

Das wird zunehmend auch zum Problem an Schulen. Hier fehlen vor allem Lehrkräfte, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten können, so Beckmann. Die Flüchtlingskinder haben jedoch ein Recht auf Beschulung in Deutschland. „Die Verantwortung wird auf die Lehrkraft abgewälzt. Neben den Herausforderungen, welche die inklusive Beschulung und die steigende Heterogenität mit sich bringen, soll der Lehrer nun auch noch ohne entsprechende Qualifizierung Deutsch als Fremdsprache lehren.“ 

Der Bundesvorsitzende erläutert: „Kriegssituationen verhindern oft den Schulbesuch von Kindern, was dazu führt, dass auch ältere Kinder, die zu uns kommen, noch keine Schule besucht haben. In manchen Ländern ist es zudem nicht üblich, dass Mädchen beschult werden.“ Hinzu komme, dass die Geflüchteten in der Regel aus Ländern kommen, in denen keine lateinischen Schriftzeichen verwendet werden. Die Alphabetisierung müsse damit in Deutsch erneut erfolgen. 

Durch die hohe Zuwanderung der letzten Jahre hat die Alphabetisierung noch mehr an Bedeutung gewonnen, wenn verhindert werden soll, dass die hohe Zahl an (funktionalen) Analphabeten in Deutschland weiter steigt. 

Beckmann fordert: „Integration ist eine Mammutaufgabe und wir erwarten pragmatische Lösungen anstatt der allgegenwärtigen Sonntagsreden. Es braucht  1.) mehr Lehrer, damit die individuelle Förderung flächendeckend gelingen kann und dem funktionalen Analphabetismus von Anfang an begegnet werden kann, 2.) auf die neuen Herausforderungen abgestimmte Fort- und Weiterbildungen und 3.) eine Anrechnung von autodidaktischen Qualifizierungsmaßnahmen – und das schnell und unbürokratisch.“