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Berlin, Digitalisierung

Überwachung provoziert Unmündigkeit

„Schutzranzen“ / Europäischer Datenschutztag 28.01.2018

Die App „Schutzranzen“ soll Autofahrer warnen, wenn sich Kinder in der Nähe befinden, und ermöglicht es Eltern, ständig zu wissen, wo sich ihre Kinder gerade aufhalten. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht das sehr kritisch: „Ich warne mit Nachdruck davor, sich trügerischen Sicherheiten im Tausch von Daten hinzugeben. Wenn Kinder allein im Straßenverkehr unterwegs sind, bleibt immer ein Restrisiko. Aufgabe der Eltern ist aber nicht, stets zu wissen, wo ihr Kind ist, sondern es fit für den Straßenverkehr zu machen. Dazu gehört, den Schulweg gemeinsam abzugehen, kritische Punkte zu erörtern und Regeln zu vermitteln. Auch in der Schule werden solche Basisregeln vermittelt.“

Das Projekt „Schutzranzen“ wird konzipiert und umgesetzt von Volkswagen und ist eine Kooperation mit dem Sportausrüster Uvex, dem Automobilclub von Deutschland sowie der Firma Coodriver, die für den Vertrieb zuständig ist. Der Verein Digitalcourage e.V. hat in einem offenen Brief insbesondere darauf hingewiesen, dass die Daten nicht ausreichend geschützt werden und zudem an Konzerne wie Facebook, Microsoft, Amazon und Google gehen. Sie wollen einen Stopp des Projektes erreichen. Auch im Kontext des Europäischen Datenschutztages, der am Sonntag, den 28. Januar 2018, begangen wird, erklärt der VBE-Bundesvorsitzende: „Wir dürfen nicht aus Unbedarftheit zulassen, dass Daten in falsche Hände gelangen. Sicherheit kann man nicht kaufen, aber man kann seine Kinder zu starken, selbstständigen Persönlichkeiten erziehen, die wissen, wie sie sich im Straßenverkehr bewegen.“

Schon im letzten Jahr hatte der VBE eindringlich davor gewarnt, GPS-Tracker zur Überwachung von Kindern einzusetzen.