Berlin, Lehrerbildung/-mangel

KMK muss Prognosen kontinuierlich und realitätsnah erstellen

Studie der Bertelsmann Stiftung zu Lehrkräftemangel

„Jeder Lehrkraft würde man Vorwürfe machen, wenn sie nur für 18 Schülerinnen und Schüler einen Ausflug plant, obwohl 19 Kinder in der Klasse sind. So ähnlich verhält sich die Kultusministerkonferenz (KMK) mit ihren Prognosen, wenn sie sich um 5,5 Prozent verschätzt. Die Schülerzahlen steigen damit doppelt so stark, wie von der KMK erwartet. Das hat weitreichende Konsequenzen und darf nicht weiter hingenommen werden! Denn die Rechnung ist einfach: 168.000 mehr Kinder bedeuten bei einem durchschnittlichen Klassenteiler von 24 Kindern rund 7.000 Lerngruppen. An jeder zweiten Grundschule wird es also eine zusätzliche Klasse geben, welche die Kultusministerkonferenz bei ihrer Prognose nicht eingerechnet hat. Ein erneutes Armutszeugnis für die an der Prognose Beteiligten. Wir fordern daher eine kontinuierliche Schülerzahlprognose, die endlich auf die aktuellsten Zahlen der Länder zurückgreift“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), mit Blick auf die am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung.

 

Statt wie bisher von der KMK angenommen, fehlen laut den Autoren zum Schuljahr 2025/26 demnach auch nicht „nur“ 15.310 Lehrkräfte, sondern fast 11.000 mehr, also über 26.000 Lehrkräfte. „Die Kinder sind längst geboren, die Eltern erwarten beste Bildungschancen für ihre Kinder. Nun müssen die Kultusministerien angesichts dieser Zahlen ins Handeln kommen. Die Länder müssen entsprechend des tatsächlichen Bedarfs ausbilden, Seiteneinsteigende müssen mindestens ein halbes Jahr vor-qualifiziert und berufsbegleitend weiterqualifiziert werden und zusätzliches Personal muss als Teil multiprofessioneller Teams zur Unterstützung und Entlastung der Lehrkräfte in die Schule“, fordert Beckmann ein.

Außerdem verweist Beckmann auf die bereits vorgebrachte Kritik, dass die Prognosen bisher nur den Status Quo fortschreiben. Wenn die Politik jedoch Innovation einfordere, solle sie dies auch möglich machen. „Wer Inklusion und Integration, Digitalisierung und den Umgang mit steigender Heterogenität in Schule meistern möchte, darf nicht an alten Vorstellungen der alleinkämpfenden Lehrkraft festhalten. Ehrliche Prognosen rechnen u. a. ein bedarfsgerechtes Zwei-Pädagogen-System und die Herausforderung, den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2025 einzulösen, ein. Davon sind wir weiter entfernt denn je.“