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Unterstützung gefordert!

VBE an KMK: Ehrlich machen, Spielräume schaffen, Methodenwahl Lehrkraft überlassen

Mit Blick auf den nächste Woche erneut stattfindenden Gipfel im Bundeskanzleramt stellt der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, heraus, dass es momentan grundsätzliche Fehlannahmen in der Kommunikation über die Situation an Schulen gibt.

„Normal“ vs. Schule unter Pandemiebedingungen

„Zum ersten wird so getan, als wäre alles bisher normal gewesen und würde erst jetzt mit steigenden oder stagnierenden Infektionszahlen anders. Das stimmt nicht. Seit März haben wir keinen flächendeckend normal laufenden Schulbetrieb mehr. Seien es Hygieneregeln, plötzlich verordnete Quarantäne und die Anstrengungen, die digitale Infrastruktur und Ausstattung zu verbessern: All das hat es vorher nicht gegeben, braucht Zeit und macht etwas mit den Menschen. Das wird konsequent ignoriert. Dabei ist es dringend notwendig, die Schülerinnen und Schüler individuell zu begleiten. Das gelingt den Lehrkräften am besten mit der Unterstützung von multiprofessionellen Teams.“

Ehrlich machen, Spielräume schaffen

„Das Recht auf Bildung ist ein hohes Gut, wie auch der Schutz der Unversehrtheit. Und trotzdem kann an manchen Stellen gar nicht die vernünftigste Strategie eingeschlagen werden, weil es in den letzten Jahren zu massiven Versäumnissen in der Bildungspolitik gekommen ist. Es fehlt an Lehrkräften, es gibt zu große Klassen, die schon immer in zu kleinen Räumen unterrichtet werden mussten, und die Infrastruktur ist nicht darauf ausgelegt, für das Lehren und Lernen digitale Möglichkeiten zu nutzen. Die Politik muss sich hier einerseits ehrlich machen und damit Druck rausnehmen und andererseits ihre Entscheidungen und Vorgaben so gestalten, dass Spielräume für die Schulleitungen eröffnet werden. Wenn es in Gebieten mit hohen Neuinfektionszahlen Schulen gibt, die Konzepte für hybrides Lernen anbieten können, sollte dies genutzt werden. Wenn es im gleichen Gebiet andere Schulen gibt, die keine entsprechenden Möglichkeiten haben, müssen diese auch andere Konzepte umsetzen können. Hilfreich wäre ein Katalog an Maßnahmen, die ab bestimmten Werten umgesetzt werden können bzw. ab anderen Werten dann umgesetzt werden müssen.“

Digitalisierung ist kein Allheilmittel

„Die Glorifizierung von Digitalisierung ist nicht hilfreich. Ganz davon abgesehen, dass die meisten Schulen dafür nicht ausgestattet sind und der Umgang damit entsprechend ungeübt ist, verkennt dies auch die pädagogische Verantwortung. Lehrkräfte sind dafür ausgebildet, Methoden anhand der zur Verfügung stehenden Ressourcen und der Bedürfnisse der Lerngruppe auszuwählen. Wochenplanarbeit, bei der zum Beispiel auf einem A4-Blatt übersichtlich dargestellt wird, welche Aufgaben, extra Förderungen und Projekte umzusetzen sind, ist doch viel eingeübter und damit zielführender als nun bei einer zeitweisen Schulschließung auf Biegen und Brechen Videokonferenzen umzusetzen. Es braucht schon auch das Vertrauen von Politik und Gesellschaft in die professionellen Fähigkeiten und das hohe Engagement der Lehrkräfte. Letzteres geht nicht erst seit Beginn der Pandemie weit über das normale Maß hinaus.“