Berlin, Lehrerbildung/-mangel Digitalisierung Bildungsgerechtigkeit

IFO-Befragung zeigt: Engagierte Lehrkräfte, fehlende Ausstattung, Fördermaßnahmen für Akademikerkinder

„Die Ergebnisse bringen keine Überraschung, aber sie belegen deutlich, wie heterogen die Lage ist – und wie schwierig es das für die Lehrkräfte macht, die Kinder entsprechend der unterschiedlichen Ausstattung zu Hause, ihres individuellen Lernstands, den unterschiedlichen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Förderung durch die Eltern zu unterstützen. Die Entwicklung, dass mehr Zeit mit schulischen Aufgaben verbracht wird und 3/4 der Kinder mindestens einmal pro Woche an gemeinsamen Unterricht zum Beispiel als Videochat teilnehmen konnten, zeigt, dass die Lehrkräfte mit hohem Engagement sich die Kompetenzen aneignen, über den digitalen Weg Wissen zu vermitteln. Was sich aber auch zeigt: Wenn 1/3 der Eltern berichtet, dass es regelmäßig oder sogar täglich Probleme mit den digitalen Plattformen oder Kanälen gab, ist das ein Armutszeugnis für die Digitalisierung. Die Kultusministerien müssen ihre Bemühungen verstärken, stabile, rechts- und datenschutzsichere Plattformen bereitzustellen, die leicht bedienbar und hochperformant sind“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), anlässlich der Veröffentlichung des ifo-Instituts zu den Schulschließungen Anfang 2021.

Mit Blick auf Lernrückstände und die Notwendigkeit, diese aufzuholen, erklärt Beckmann: „Bisher geben nur 21 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind an mindestens einer Fördermaßnahme, wie Nachhilfeunterricht, teilgenommen hat. Besonders frappierend ist, dass vor allem Akademikereltern dies angeben. Das zeigt: Diejenigen, die schon vor der Krise zu den ‚Bildungsverlierern‘ gehören, werden durch die Krise weiter abgehängt. Dass sie nicht hinreichend durch Fördermaßnahmen aufgefangen werden können, wundert bei der mangelhaften Personalausstattung der Schulen schon vor Corona nicht. Es braucht sehr niedrigschwellige Angebote zur Förderung, die durchaus auch den ökonomischen Hintergrund eines Kindes beachten sollten. Die beste Förderung findet natürlich in Schule statt: wenn die Lerngruppe mit zwei Lehrkräften ausgestattet und durch Mitglieder eines multiprofessionellen Teams unterstützt wird. Das muss Ausstattungsziel sein!“

Trotzdem betont der Bundesvorsitzende des VBE: „Dieses Schuljahr war nicht verloren! Nicht überall konnten die Lehrpläne erfüllt werden, aber das darf nicht alleiniger Maßstab von Bildung sein. Zum einen wird das den Leistungen der Schülerinnen und Schüler nicht gerecht, die in einer ganz neuen Situation gelernt haben. Zum anderen wird es dem Engagement der Lehrkräfte nicht gerecht, die sich in kurzer Zeit ohne angemessene Ausstattung durch ihren Arbeitgeber und unter höchstem gesellschaftlichem Druck den wöchentlich ändernden Bedingungen angepasst haben. Das verdient Wertschätzung – und kein Lamento. Wer sich wirklich dafür interessiert, wie viel Unterricht ausgefallen ist, sollte lieber das Problem des Lehrkräftemangels angehen. Denn Unterrichtsausfall haben wir nicht erst seit Corona. Davor wurde von der Politik nur nicht hingesehen.“