Daten nutzen, Bildung gestalten, Partizipation sichern
Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) berät die Bildungsministerkonferenz evidenzbasiert. Mit entsprechendem Auftrag erarbeitete die Kommission das Gutachten „Datengestützte Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung“. Darin finden sich Empfehlungen für die einzelnen Bereiche:
- Unterrichtsentwicklung,
- Schulentwicklung,
- Elternarbeit,
- Schulaufsicht,
- Systemmonitoring und
- Frühe Bildung.
Bei der Fachtagung „Daten nutzen, Bildung gestalten“, welche die SWK gemeinsam mit der Wübben Stiftung Bildung Anfang Juni ausrichtete, wurden die Empfehlungen in Workshops kleingearbeitet. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse wurden mit den Erfahrungen aus der Praxis und Verwaltung abgeglichen.
Immer wieder galt dabei die Aufmerksamkeit einem Land, in dem die Datennutzung bereits weit vorangeschritten ist: Kanada. Ob die Co-Vorsitzende der SWK, Professorin Felicitas Thiel, die Bundesbildungsministerin Karin Prien oder die Vertreterin der Bildungsministerkonferenz, Staatssekretärin des Bildungsministeriums Saarland, Jessica Heide: Sie alle blickten auf ihre Schulbesuche und Gespräche dort.
Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Tomi Neckov, äußerte sich am Rande der Fachtagung:
„Es ist wichtig, den Horizont zu erweitern und von funktionierenden Systemen zu lernen. Gleichermaßen müssen die Verantwortlichen auch verstehen, dass das System nicht von heute auf morgen umgestellt werden kann. Während Wissenschaft und Politik sich schon einig sind, wozu Daten genutzt werden, sehen wir als Interessenvertretung weiterhin Risiken. Damit Lehrkräfte die Chancen datengestützten Arbeitens nutzen können, müssen sie darauf vertrauen können, dass es zu ihrem und dem Wohl der Kinder eingesetzt wird – und nicht, um sie zu kontrollieren.“
Dies machte er in unterschiedlichen Gesprächsrunden deutlich, unter anderem bei dem Workshop zur Unterstützung durch die Schulaufsicht. Hier diskutierten Professorin Felicitas Thiel, Wilfried Kühner, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Kultus, und Prof. Dr. Anne Sliwka, Professorin für Bildungswissenschaft, Universität Heidelberg. Letztere betonte, dass es in Kanada eben auch darum ginge, nicht „data-driven“, sondern „data-informed“ (zu deutsch: nicht datengetrieben, sondern dateninformiert) zu agieren. Die Daten werden erhoben, analysiert, interpretiert und in sinnvolle Maßnahmen überführt. Nur so können Mehrwerte erzeugt werden.
