Fünf Berichte, ein Befund: Bildung braucht Personal und Zeit
Im September wurden verschiedene nationale und internationale Bildungsstudien publiziert. Immer wieder zeigt sich: Der Bildungserfolg hängt in Deutschland zu stark von der Herkunft ab, es fehlt Personal und Schulen brauchen Zeit und multiprofessionelle Unterstützung statt Einzelprojekten. Der VBE hat alle fünf Berichte kommentiert.
IW-Studie
Mehr Vollzeit könnte den Personalmangel rechnerisch decken. Für den VBE eine „Milchmädchenrechnung“: Teilzeit sei für viele der einzige Weg, den Beruf gesund auszuüben.
PISA 2025
Die Lesekompetenz sinkt weltweit um 28 Punkte, in Deutschland klafft zwischen Begünstigten und Benachteiligten eine Lücke von 125 Punkten. Der VBE sieht darin eine Gefahr für die Demokratie, da Leseverständnis grundlegend dafür ist, Fake News zu erkennen und sich innerhalb der Gesellschaft zu verorten. Beim Einsatz von KI zeige sich, dass eine regelmäßige Nutzung noch kein Versprechen für ein gutes Verständnis sei.
VBE-Chef Neckov kommentierte:
„Wer KI für Schulaufgaben nutzt, wird nicht klüger, sondern nur schneller fertig – ohne selbst einen Lernprozess durchlaufen zu haben. Andersherum wird reflektiertes Denken durch sogenanntes ‚KI-Sparring‘ ausgebildet. So wird aus der Art des Einsatzes von KI ein weiterer Katalysator für Bildungsungerechtigkeit.“
INSM-Bildungsmonitor
Auch er zeigt, dass die soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet. Zudem wird über Dutzende von Faktoren ein Index erstellt, der ein Länderranking ermöglicht. Der VBE hinterfragte dessen Aussagekraft. Bei der Veröffentlichung hielt Bundesbildungsministerin Karin Prien einen Impuls. Am Schluss plädierte sie für eine Teilnahme Deutschlands an TALIS, dem sogenannten „Lehrkräfte-PISA“ der OECD. Dies wird vom VBE seit Jahren eingefordert und entsprechend unterstützt.
UNESCO-Weltbildungsbericht
273 Millionen Kinder und Jugendliche gehen weltweit nicht zur Schule. Zudem ist eine Erkenntnis, dass Schulen mit besonders hohen sozialen und pädagogischen Herausforderungen dauerhaft mehr Unterstützung erhalten müssen. Der VBE wies darauf hin, dass das Startchancen-Programm deshalb ein wichtiger Schritt sei, es aber nicht zum Feigenblatt für ein insgesamt unterfinanziertes Bildungssystem werden darf.
OECD „Bildung auf einen Blick“
Deutschland investiert überdurchschnittlich viel Geld in das Bildungssystem. Im internationalen Vergleich bedenklich ist, dass in Deutschland knapp 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen keinen Abschluss der Sekundarstufe II haben. Der VBE fordert mehr Personal, kleinere Klassen und mehr multiprofessionelle Zusammenarbeit.
Schwerpunkt der Studie war der Lehrkräftemangel. Dieser hält in Deutschland an: 55 Prozent der 15-Jährigen besuchen Schulen, deren Leitung angibt, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt – das ist der zweithöchste Wert im OECD-Raum und mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 27 Prozent. Gleichzeitig ist der Lehrkräftemangel rein rechnerisch bereits „behoben“. Der VBE warnt aber vor Stellenabbau und verweist auf das Potenzial für die Qualität des Bildungssystems.
