Grenzenlos resilient
Teilnehmende des Trinationalen Treffens verständigen sich auf Berliner Erklärung
Drei Gewerkschaften, ein klares Ziel: Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), die Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer Österreich (GÖD) und der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) haben sich in Berlin getroffen – und das ist längst Routine. Seit 2007 arbeiten sie grenzübergreifend zusammen. Nichts Neues, aber etwas, das immer wichtiger wird: In einer Zeit, in der Schulen unter Druck geraten, liefert dieser Austausch echte Impulse für die gewerkschaftliche Arbeit. Sei es beim Umgang mit dem Lehrkräftemangel, der Digitalisierung und dem gesellschaftlichen Wandel. Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des deutschen beamtenbundes und tarifunion (dbb), bereicherte den Austausch mit einem Impulsvortrag zu den Gefahren für unsere Demokratie und dem damit verbundenen Auftrag an Schule.
Das Treffen hat deutlich gemacht: Demokratiebildung ist kein Add-on, sondern Kernaufgabe. Lehrkräfte müssen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Konflikte, politischer Erwartungen und wachsender Anforderungen im Schulalltag stabil bleiben. Dafür braucht es klare Rahmenbedingungen, gute Ausstattung und eine Stärkung des Lehrberufs. Zentral war auch die Erkenntnis: Gesundheit ist nicht privat. Resiliente Lehrkräfte entstehen nicht durch persönlichen Willen, sondern durch gute Arbeitsbedingungen.
Gemeinsam verabschiedeten die drei Partnerorganisationen die Berliner Erklärung. Sie bringt auf den Punkt, was Schulen brauchen: starke Lehrkräfte. Nur wenn Lehrkräfte gestärkt werden, können Schulen ihre demokratische Aufgabe erfüllen. Wer Schulen mehr Aufgaben überträgt, darf sie nicht alleinlassen. Der trinationale Austausch hat gezeigt, dass dies nicht nur möglich, sondern dringend nötig ist. Konkret bedeutet das (gekürzt):
- Förderung einer fundierten Diskussionskultur
Für eine lebendige Demokratiebildung braucht es eine fundierte Diskussionskultur. Lehrende müssen auf Basis des Beutelsbacher Konsenses Themen kontrovers behandeln, Überwältigung vermeiden und die Urteilskraft der Lernenden stärken.
- Systemische Verankerung und professionelle Begleitung
Demokratiebildung ist ein Kernauftrag der Schule und muss in allen Lehrplänen verbindlich verankert sein. Lehrpersonen benötigen eine fachspezifische Aus- und Weiterbildung. Schulbehörden müssen fachlichen Rückhalt gewährleisten, parteipolitische Neutralität sicherstellen und Lehrpersonen vor politischem Druck schützen.
- Zeitliche Freiräume für pädagogische Kernaufgaben
Partizipationsprojekte erfordern Zeit. Wir fordern Entlastung von administrativen Tätigkeiten, damit Lehrpersonen sich auf Kernaufgaben wie individuelle Förderung und Demokratiebildung konzentrieren können. Gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld und multiprofessionelle Teams sichern Unterrichtsqualität langfristig.
- Gezielte Investitionen in die Gesundheit von Lehrpersonen
Resiliente Lehrpersonen sind Voraussetzung für funktionierende demokratische Schulen. Bei personeller Überlastung und vielfachen Krisen braucht es systemimmanente Angebote zur Gesundheitsförderung und verstärkten Gesundheitsschutz.
- Bildung als strategische Investition in demokratische Stabilität
Wissenschaft zeigt den Zusammenhang zwischen hochwertigem Bildungssystem und Demokratiestabilität. Politik muss Bildung als prioritäre Zukunftsinvestition begreifen. Verlässliche Finanzierung, weitsichtige Planung und Wertschätzung der Profession sind essenziell.
Die vollständige Erklärung kann hier eingesehen werden.
