Grundfertigkeit im Fokus: Es braucht mehr Zeit für das Handschreiben

© Anne Roewer

Auch in Zeiten der Digitalisierung bleibt das Handschreiben eine wichtige Kompetenz. Das ist eines der Kernergebnisse der im April veröffentlichten Umfrage „STEP 2019“ (Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben), die gemeinsam vom Schreibmotorik Institut und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) durchgeführt wurde. Allerdings sieht die große Mehrheit der Lehrkräfte in Deutschland eine Verschlechterung der für die Entwicklung einer Handschrift notwendigen Kompetenzen bzw. der Handschrift der Schülerinnen und Schüler allgemein. Der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, betont: „Diese Entwicklung ist nicht nur wegen der schlechteren Lesbarkeit ein Problem, sondern auch weil die Kinder so immer weniger Lust auf das Schreiben haben. Aber beim Handschreiben geht es um alles. Es ist wichtige Kernkompetenz eines jeden Kindes, allein schon weil dabei ganz andere Denkprozesse als beim Tippen angestoßen werden. Deshalb muss es durch die Politik entsprechend gefördert werden.“

Denn die Umfrage hat deutlich gezeigt, dass es an den Bedingungen fehlt, das Handschreiben besser zu fördern. Fast drei Viertel der Lehrkräfte geben an, dass (sehr) häufig zu wenig Zeit für individuelle Förderung in der Schule sei, 64 Prozent, dass (sehr) häufig zu wenig Zeit für das Üben in der Schule bleibe. Über die Hälfte sagen, dass der Lehrplan zu wenig Wert auf das Schreibenlernen lege. Außerdem fehlen Fortbildungsangebote und Hilfestellung für die Lehrkraft. Beckmann kritisiert: „Es fehlt also an den Grundlagen. Wie sollen wir den Kindern das Schreibenlernen beibringen, wenn den Lehrkräften schlicht die Zeit fehlt, sie individuell zu unterstützen? Wenn Kinder dann noch motorische Defizite aufweisen, weil sie auch zu Hause nicht die notwendige Unterstützung bekommen können, geraten wir an die Grenze des Machbaren.“

So verwundert es nicht, dass sich fast alle Lehrkräfte für mehr feinmotorische Aktivitäten aussprechen, wie Basteln, Malen und Kochen. Drei Viertel der Befragten denken, dass ein spezielles schreibmotorisches Training, mehr Üben zu Hause und in der Schule sowie das Wecken von Interesse am Handschreiben helfen könnten. Hier sind auch die Eltern als Rollenvorbilder gefragt. Fast 70 Prozent sehen, dass es mehr individuelle Förderung und gezielte Hilfestellung auch in höheren Klassen braucht. Diese Einschätzung teilt auch die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Schreibmotorik Instituts, Dr. Marianela Diaz Meyer: „Eine verstärkte Förderung des Schreibens mit der Hand sollte vom Kindergarten bis in die weiterführenden Schulen und zu Hause gewährleistet werden. Die interdisziplinäre Forschung, wie das Handschreiben gefördert werden kann, ist zudem auszuweiten.“

Informationen zu der Handschreib-Umfrage finden Sie auf der Seite des VBE.