Handschreiben im Fokus: VBE Mitausrichter von internationalem Symposium

© Robert Bergemann

Davon ausgehend, dass in einer Lerngruppe 25 Schülerinnen und Schüler sind, können 15 von ihnen keine 30 Minuten beschwerdefrei mit der Hand schreiben. Ihre Schrift wird spätestens dann, bei einigen schon deutlich früher, unleserlich, die Hand verkrampft oder ermüdet. Das war eines der Hauptergebnisse der Umfrage zum Handschreiben, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) zusammen mit dem Schreibmotorik Institut durchgeführt hat und im April 2019 veröffentlichte. Außerdem wurde mit der „Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben“ (STEP 2019) herausgefunden, dass jeder zweite Junge bzw. jedes dritte Mädchen Probleme mit der Handschrift hat. Zurückzuführen sei dies vor allem auf zu wenig Routine, eine schlechte Motorik und Konzentrationsprobleme. Der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, bemerkt dazu, dass das Ausprägen motorischer Fähigkeiten maßgeblich für das Erlernen des Handschreibens sei. „Das Handschreiben unterstützt nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch das Lesen. Es fördert das Textverständnis und hilft dabei, Neues besser zu lernen. Damit steigert es letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“

Dies war Ausgangspunkt für die Ausrichtung einer internationalen Konferenz durch die beiden Kooperationspartner Schreibmotorik Institut und VBE. Unter dem Motto „Handschreiben als Startkapital für Bildung“ kamen am 11. Oktober 2019 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulverwaltung und Schulpraxis aus fünf europäischen Staaten bei dem 3. International Symposium on Handwriting Skills zusammen. Im dbb forum in Berlin diskutierten sie über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus Praxis und Forschung.

Dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema wichtig ist, zeigte auch die Übernahme der Schirmherrschaft durch den Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Prof. Dr. R. Alexander Lorz, dem hessischen Kultusminister. In einem schriftlichen Grußwort an die Teilnehmenden dankte er den Organisatoren dafür, das Thema Handschreiben auf die Agenda zu setzen. Er plädierte: „Wenn wir die Persönlichkeits- und Bildungsentwicklung des Kindes von Anfang an ganzheitlich betrachten, wirken wir unterstützend und fördernd für den Erwerb der Schriftsprache einschließlich des Erlernens der Handschrift.“ Vor Ort wurde die KMK vertreten von der Bildungsministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, Bettina Martin. Sie betonte, dass das Handschreiben „auch im digitalen Zeitalter eine unverzichtbare Grundlage für die erfolgreiche Bildungslaufbahn eines jeden Kindes“ ist. Außerdem meint sie: „Gut lesbar und flüssig mit der Hand schreiben zu können, bringt in unserer schriftgeprägten Kultur nicht nur viele praktische Vorteile mit sich. Dies ist auch eine wichtige Form des persönlichen Ausdrucks, die es zu bewahren und pflegen gilt.“