Junger VBE in Freiburg: Drei Tage Bildungspolitik, Klartext und neue Ideen
Der Junge VBE Bund traf sich vom 26. bis 28. April 2026 zum Bundesjugendausschuss in Freiburg im Breisgau. Das dreitägige Treffen stand im Zeichen intensiver inhaltlicher Arbeit, bildungspolitischer Diskussionen und des gemeinsamen Ringens um bessere Rahmenbedingungen für Schule, Studium und Berufseinstieg.
Ankommen und Einstimmen
Heute bin ich neugierig, aber auch vergnügt, weil ich mich auf den Austausch mit euch freue, auf neue Impulse und weil ich gespannt bin, was Freiburg für uns bereithält. Zu Beginn holte Eva Strittmatter die Mitglieder des Bundesjugendausschusses mit einem besonderen Check-in ins Hier und Jetzt: Mit den „Heute bin ich“-Kunstkarten von Mies van Hout beschrieben die Teilnehmenden ihre aktuelle Stimmung. Vorfreude auf den Austausch und die gemeinsame Zeit prägte die Atmosphäre von Anfang an.
Arbeitsphase und Antragsberatungen
Am Montagvormittag lag der Schwerpunkt auf der inhaltlichen Arbeit. In einer intensiven Beratungs- und Arbeitsphase wurden zahlreiche Anträge behandelt und zur Abstimmung gebracht. Ein Antrag wird im Jungen VBE als Handlungsauftrag und Empfehlung verstanden, mit dem sich insbesondere das Leitungsteam und der Bundesvorstand weitergehend befassen sollen.
Diskutiert und beschlossen wurde unter anderem zu folgenden Themen:
- A13 für Grundschullehrkräfte bundesweit
- Ausbau der Planstellenstruktur in allen Schulformen
- Lehrkräftegesundheit
- Erhalt des Beamtentums
- Finanzielle Unterstützung bei bundesländerübergreifenden Netzwerktreffen
- Zivildienst an Schulen
- Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte pro Schullaufbahn
- Steuerbefreiung für Schulhunde
- IT-Betreuende an jeder Schule
- Code of Conduct – Verhaltenskodex für den VBE
- Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen
- Lehrkräftebildung – Verzahnung von Theorie und Praxis
Ein Schwerpunkt lag auf der Reform des Lehramtsstudiums. Aktuelle Studien, unter anderem im Auftrag des VBE Baden-Württemberg, machen deutlich, dass erheblicher Reformbedarf besteht: Viele Lehramtsstudierende fühlen sich unzureichend auf zentrale Anforderungen des Schulalltags vorbereitet.
Als zentrale Ursache wurde die mangelnde Verzahnung von Theorie und Praxis identifiziert. Die fehlende systematische Verbindung zwischen Studieninhalten und schulischer Realität führt dazu, dass Wissen nur unzureichend in konkrete Handlungssituationen übertragen werden kann.
Der Junge VBE leitet daraus klare Forderungen ab, wie z. B.:
- frühzeitigere und kontinuierliche Praxisphasen spätestens ab dem 3. Semester
- systematische Begleitung dieser Praxis durch praxiserfahrene Dozierende
- konsequente Ausrichtung theoretischer Inhalte an schulischen Handlungssituationen
Nur so kann das Studium die Studierenden wahrhaftig auf die komplexen Aufgaben im Schuldienst vorbereiten.
Ein weiterer zentraler Themenkomplex war die Gesundheit von Lehrkräften. Herausgearbeitet wurden vielfältige Defizite in den aktuellen Arbeitsbedingungen, etwa:
- hoher Lärmpegel in Klassenräumen
- fehlende echte Pausen
- nicht klimatisierte Räume
- dauerhaft hohe Arbeitsbelastung
Diese Faktoren gefährden langfristig Leistungsfähigkeit, Motivation und berufliche Zufriedenheit. Das Gremium diskutierte konkrete Ideen zur konsequenten Umsetzung von Arbeitsschutzvorgaben, unter anderem:
- Einführung eines niedrigschwelligen Zugangs zu professioneller psychologischer Beratung und Coaching
- Einstellung multiprofessioneller Teams, um Lehrkräfte zu entlasten
- echte 110%‑Abdeckung mit Krankheitsreserve
- Deputatsstunden für kollegialen Austausch und gemeinsame Erarbeitung von Lerninhalten
Bildungspolitischer Austausch mit Landespolitikerinnen
Am Montagnachmittag lud der Junge VBE zu einem bildungspolitischen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Parteien ein. Der Einladung folgten:
- Joshua Mayer, bildungspolitischer Sprecher der Grünen
- Alena Fink-Trauschel (FDP)
- Benedict Brenner (Jusos)
Das Format war für alle Beteiligten besonders spannend, da ausschließlich Landespolitikerinnen auf Sprecherinnen eines Gremiums trafen, das Perspektiven aus unterschiedlichen Bundesländern einbrachte. Moderiert wurde der Austausch von Eva Strittmatter.
Einstieg in die Diskussion bildete die provokante Frage: Ist Inklusion gescheitert?
Anlass war ein kurz zuvor veröffentlichtes Papier einer Arbeitsgruppe aus dem Kanzleramt mit über 70 Kürzungsvorschlägen, die einschneidende Einsparungen bei sozialen Unterstützungsleistungen und beim Rechtsanspruch auf Schulbegleitung vorsehen, kurz bei Menschen mit Behinderung.
Der Junge VBE machte deutlich:
- Rahmenbedingungen und Personalnot bremsen Inklusion massiv aus.
- In einigen Bundesländern werden Förderbedarfe erst verspätet erkannt, was die Unterstützung zusätzlich erschwert.
- Ohne ausreichend Personal ist eine gleichwertige Förderung kaum möglich.
- Gleichzeitig positioniert sich der Junge VBE eindeutig für den Ausbau von Inklusion an Regelschulen, bei gleichzeitiger Wahlfreiheit für Erziehungsberechtigte.
Aktuelle Streitfragen der Bildungspolitik
Im Anschluss wurden weitere zentrale Fragen der Bildungslandschaft aufgegriffen:
- das sich wandelnde Bild der Lehrkraft
- die unzureichend begleiteten Praxisanteile im Studium
- das dreigliedrige Schulsystem
- das intensiv diskutierte Social-Media-Verbot an Schulen
Besonders kontrovers war die Frage nach zeitgemäßer Medienbildung:
- Braucht es mehr Medienbildung an Schulen?
- Sollte Medienbildung ein eigenständiges Fach sein?
- Reicht eine Leitperspektive, die alle Fächer durchzieht, aus?
- Was genau ist der Auftrag von Schule in einer digital geprägten Gesellschaft?
Modernes Berufsbeamtentum und Fachkräftesicherung
Am Dienstagmorgen regte ein „Eckenspiel“ mit verschiedenen Positionen die Diskussion im Plenum an.
- Was würde die Bildungsqualität am stärksten verbessern?
- mehr Investitionen, mehr Personal, grundlegende Bildungsreformen oder neue Konzepte?
- Was wäre die wichtigste Sofortmaßnahme gegen den Lehrkräftemangel?
- massiver Ausbau des Quereinstiegs, Senkung der Arbeitsbelastung oder höhere Gehälter und bessere Anreize?
Besonders intensiv wurde die Frage verhandelt, ob die Verbeamtung von Lehrkräften ein Zukunftsmodell sei. Hierzu diskutierte der Junge VBE mit Stefan Behlau, stellvertretender Bundesvorsitzender des VBE. Unterschiede in Status, Attraktivität des Berufs und Wettbewerb um Fachkräfte spielten dabei ebenso eine Rolle wie Fragen nach Fairness und Modernität des öffentlichen Dienstes.
Den Vormittag begleitete außerdem Matthäus Fandrejewski, Bundesvorsitzender der dbb Jugend. Er stellte Einblicke in ein derzeit entstehendes Papier zum modernen Berufsbeamtentum vor – einem „Update“ des Beamtentums, das in Kooperation mit der Universität Potsdam erarbeitet wird. Zentrale Knackpunkte, um im Wettbewerb um die Fachkräfte der Zukunft bestehen zu können, sind nach Fandrejewski die angemessene Bezahlung, mobiles Arbeiten und größere Flexibilität in Arbeitszeit und -ort.
Das Beamtentum bei Lehrkräften ist besonders komplex, da Schule nicht ins Digitale nach Hause verlegt werden kann. Es zeigte sich deutlich: Es braucht die Handschrift und den Input des VBE bei der Erarbeitung eines modernen Beamtentums.
Fazit
Der Bundesjugendausschuss des Jungen VBE in Freiburg im Breisgau war geprägt von einer offenen, engagierten und zugleich reflektierten Auseinandersetzung mit den aktuellen Herausforderungen im Bildungsbereich, wobei das Erkunden der Stadt ein Rahmenprogramm stellte.
Von der Lehrkräftebildung über Gesundheits- und Arbeitsschutzfragen bis hin zu Inklusion, Medienbildung und der Zukunft des Beamtentums hat der Junge VBE klare Positionen formuliert und konkrete Handlungsaufträge entwickelt. Die Vielfalt der Anträge und der intensive Austausch mit Politik und Verbänden zeigen: Der Junge VBE will sich im Interesse guter Bildung und guter Arbeitsbedingungen für alle hörbar in die Bildungspolitik einmischen. Hörbar für alle, die in Schule und Unterricht Verantwortung tragen.
Der nächste Bundesjugendausschuss findet im Dezember in Berlin statt.
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