Schulleitung Nachhaltigkeit

Schul-Summit 2025: Zwischen stagnierender Berufszufriedenheit und Aufbruch

Präsentierten die aktuelle Schulleitungsumfrage (v.l.n.r.): Dr. Thomas Köhl (Geschäftsführer FLEET Events), Tomi Neckov (stellvertretender VBE Bundesvorsitzender) und Stefan Behlau (Landesvorsitzender VBE NRW)

Der Deutsche Schulleitungskongress 2025 war mehr als ein Branchentreff. Als Herzstück des Deutschen Schul-Summits bündelte er den Blick auf Schulen im Dauerstress – und zeigte zugleich, mit welcher Energie Schulleitungen gegensteuern. Gewerkschaftlicher Fixpunkt war die vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) beauftragte forsa-Umfrage zur Berufszufriedenheit, vorgestellt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem VBE NRW. Sie zeichnete das Bild eines Systems im roten Bereich – und einer Berufsgruppe, die trotzdem gestalten will.

Drei Kongresse unter einem Dach

Neben dem DSLK tagten der Deutsche Schulträgerkongress (DSTK) und der Deutsche Schulaufsichtskongress (DSAK). Gemeinsam bildeten sie den „Schul-Summit“, eine seltene, aber nötige Konstellation jener Akteure, die Schulentwicklung gemeinsam verantworten. In Foren wie „Digitale Schule und KI“, im Zukunftsforum Bildung und in Veranstaltungen zum Startchancen-Programm diskutierten Schulleitungen, wie Unterricht, Personalführung und Schulorganisation weiterentwickelt werden können, obwohl Ressourcen fehlen. Immer wieder ging es darum, digitale Werkzeuge und KI von zusätzlichen Stressfaktoren in spürbare Entlastungs- und Qualitätsgewinne zu verwandeln – etwa durch automatisierte Verwaltung, intelligente Diagnosesysteme oder neue Formen der Zusammenarbeit.

Gleichzeitig wurde deutlich: Innovation braucht Zeit, Personal und klare Zuständigkeiten. Ohne diese Basis drohen selbst gut gemeinte Programme – vom Digitalpakt bis zur Demokratiebildung – an der Realität zu scheitern, wie viele Schulleitungen berichteten. Demokratieaktivistin Marina Weisband warnte in ihrer Keynote, die Gesellschaft werde bald zwischen dem richtigen und dem bequemen Weg entscheiden müssen.

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar forderte eine „Art Bildungsrevolution“. Es reiche nicht, das System kosmetisch zu modernisieren. Gefragt seien Strukturen, die Neugier wachhalten, individuelles Lernen ermöglichen und soziale Ungleichheit abbauen – in einer Welt, in der KI, Datenflut und Fake News den Diskurs verschieben.

Umfrage unter Schulleitungen

Die aktuelle Berufszufriedenheitsumfrage lieferte die Zahlen zur Stimmungslage: Nur an rund der Hälfte der Schulen waren zu Schuljahresbeginn alle Stellen besetzt, im Schnitt fehlen 1,4 Lehrkräfte pro Schule, an Förder- und Sonderschulen deutlich mehr. Für den stellvertretenden Bundesvorsitzenden Tomi Neckov bestätigt das: „Der Lehrkräftemangel bleibt das zentrale Strukturproblem, Entlastung werde jetzt gebraucht, nicht irgendwann. Gefordert sind bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gestaltungsspielraum, zeitgemäße Ausbildung, angemessene Bezahlung und multiprofessionelle Teams“.

Besonders alarmierend ist der Befund zur Leitungszeit. Eine große Mehrheit der Schulleitungen berichtet, dass das Zeitbudget nicht ausreicht, um Personalentwicklung, Krisenmanagement und Qualitätsarbeit professionell zu leisten. Wachsende Aufgaben, Bürokratie und der Anspruch, gesellschaftliche Probleme aufzufangen, verschärfen die Lage. Für den VBE sind Forderungen nach mehr Zeit zur pädagogischen Weiterentwicklung daher keine Zugabe, sondern Voraussetzung für gute Bildung.

Warum bleiben Schulleitungen dennoch im Amt? Die Umfrage nennt u.a. drei Hauptgründe: die Kinder, die starken Kollegien und den eigenen Gestaltungswillen. Der VBE richtet daraus eine klare Botschaft an die Politik: Wertschätzung allein reicht nicht. Es braucht spürbare Entlastung – durch zusätzliche Leitungszeit, Schulverwaltungsassistenz, multiprofessionelle Teams und verlässliche Stellvertretungsregelungen.

BNE im Fokus

Wie viel Potenzial dann entsteht, zeigte der DSLK-Schulpreis Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Der von SIGNAL IDUNA gestiftete, mit 50.000 Euro dotierte Preis würdigt Schulen, die Nachhaltigkeit, Partizipation und Schulklima als Kompass ihrer Schulentwicklung nutzen. Ihre Projekte belegen, was möglich ist, wenn Schulleitungen Ressourcen und Freiräume für Veränderung erhalten.

Mehr über die spannenden BNE-Projekte der Schulen gibt es in der digitalen Preisträgerbroschüre.