Übergang im Fokus
Meinungstrend unter 5.000 Kitaleitungen zeigt gravierende Herausforderungen
Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein entscheidender Abschnitt in der Bildungsbiografie von Kindern. Damit dieser Schritt gelingt, braucht es mehr als guten Willen: Entscheidend sind neben einer angemessenen Personalausstattung vor allem verlässliche Strukturen, genügend Zeit für Kooperation und gute Rahmenbedingungen für alle Beteiligten. Dies schlussfolgert der VBE aus dem aktuellen Meinungstrend unter 5.000 Kitaleitungen, der im letzten Herbst/Winter erhoben wurde. Er wurde zusammen von FLEET Education, dem VBE und dessen Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen, unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Miriam Baghai-Thordsen von der Hochschule Koblenz, umgesetzt.
Herausforderung 1: Zu wenig Leitungszeit
Der Meinungstrend macht deutlich, dass der Alltag in den Kitas häufig von hoher Belastung geprägt ist. So geben über die Hälfte der Kitaleitungen an, dass die vertraglich vereinbarte Leitungszeit unter der tatsächlichen Leitungszeit liegt. Fast ¾ der Leitungen wenden 60 Prozent ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben auf, aber nur der Hälfte steht dieses Stundenkontingent auch vertraglich zu.
Der VBE Bundesvorsitzende Tomi Neckov kommentierte:
„Die Daten zeigen kein Belastungsproblem einzelner Einrichtungen – sondern ein System, das nur funktioniert, weil Leitungen dauerhaft über ihre Grenzen gehen. Das zeigt sich auch daran, dass fast 40 Prozent den Job nicht (mehr) weiterempfehlen würden.“
Herausforderung 2: Mangelhafte Übergangsstrukturen
Zudem erschwert insbesondere eine innerstädtische Lage mit vielen möglichen Einzugsschulen die Zusammenarbeit mit Grundschulen. Die Kooperation findet laut 40 Prozent der Kitaleitungen nur ein- bis zweimal jährlich statt. Ein regelmäßiger fachlicher Austausch, gemeinsame Übergangsarbeit oder eine systematische Beteiligung der Kinder bleiben vielerorts die Ausnahme. Der Übergang wird vor allem durch alltagsintegrierte Förderung mit spezifischen Schwerpunkten und projektorientiertem Arbeiten mit Bezügen zu schulischen Themen strukturiert.
Herausforderung 3: Partizipation verankern
Im letzten Kita-Jahr stehen nicht nur sprachliche Fähigkeiten im Fokus, sondern ebenso soziale und emotionale Kompetenzen wie Selbstregulation, Empathie und Konfliktfähigkeit. Außerdem setzt sich der VBE dafür ein, dass Kinder früh Selbstwirksamkeit durch demokratische Beteiligung erleben. Allerdings zeigen die Daten zur Partizipation im Übergang ein ambivalentes Bild: Fast 90 Prozent der Einrichtungen berichten mindestens eine gelegentliche oder systematische Einbindung. Allerdings bleibt es oft bei einer punktuellen Beteiligung. Kontinuierliche Partizipation bleibt die Ausnahme: Nur etwas über ein Drittel bezieht Kinder systematisch in die Planung von Übergangsprozessen ein.
VBE-Chef Neckov sagte dazu:
„Partizipation wird häufig situativ umgesetzt, aber selten strukturell abgesichert. Demokratie beginnt aber nicht mit 16 oder 18, wenn jemand das erste Mal wählt. Demokratie beginnt bei den Kleinsten und muss mit entsprechenden Ressourcen unterfüttert werden.“
Der VBE fordert deshalb, Übergänge nicht als Zusatzaufgabe zu behandeln, sondern als gemeinsame Verantwortung von Kita, Schule und Politik. Nur wenn Rahmenbedingungen, Personal und Kooperation zusammenpassen, wird aus einem organisatorischen Wechsel ein gelingender Bildungsübergang.
