Voneinander zu lernen bedeutet auch: Lehrkräfte zu Wort kommen lassen!

© Anne Roewer

Zum Jahresbeginn treffen sich Vertreterinnen und Vertreter des Bildungsbereichs zu einem ganz besonderen Neujahrsempfang. Traditionell in den ersten Januarwochen wird groß gefeiert, was mit dem 1. Januar schon faktisch vollzogen wurde: die Übergabe der Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz (KMK). Der hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz gab das Amt in die unmittelbare Nachbarschaft, nämlich an die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig ab.

Bei einem Gespräch der beiden ging es unter anderem um das Abitur und welche Standards dabei helfen könnten, die Vergleichbarkeit zu erhöhen – ohne unter allen Umständen auf eine Einheitlichkeit  hinzuwirken. So könnten zumindest die zugelassenen Hilfsmittel vereinheitlicht werden, die Länge und auch die Anzahl der Prüfungen. Zu den PISA-Ergebnissen bemerkte Hubig, dass es keine einfachen Antworten gebe, sie aber dennoch sehe, dass es mehr Lesen, Schreiben und Rechnen brauche. Interessanter Punkt: Hier betonte die neue KMK-Präsidentin, dass es nicht notwendig sei, das Rad 16 Mal neu zu erfinden und sie sich für eine kooperative Form des Föderalismus einsetze, bei dem die einzelnen Länder voneinander profitieren.

Überhaupt war das „Voneinanderlernen“ ein großes Thema bei dem Übergabegespräch am 16. Januar 2020 in Berlin. Unter den Ländern als auch beim beratenden Gremium, über dessen Name und auch  Zusammensetzung noch nicht final entschieden ist. Nachdem aber der Nationale Bildungsrat gescheitert ist, sei es nun breiter Konsens in der KMK, solch ein Gremium einzusetzen. Dass die Lehrerverbände aber  auch noch ein Wort dabei mitreden wollen, machte Udo Beckmann, der Bundesvorsitzende des VBE, gemeinsam mit dem Landesvorsitzenden des VBE Rheinland-Pfalz, Gerhard Bold, deutlich. Sie  übergeben der neu gewählten Präsidentin ein Glückwunsch-Schreiben, in dem auch mahnende Worte zu lesen sind. So heißt es:

„Ich wünsche Ihnen Kraft und Durchhaltevermögen. Nicht immer sind Bemühungen von dem Erfolg gekrönt, den diese in der Sache verdienen würden. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie mit der Kraft guter Argumente Ergebnisse erreichen, die außerhalb der Komfortzone liegen und nur eines im Blick haben: eine bessere Situation in der Schule. Denn das ist leider nicht oft genug der Fokus von Politik. So beklagten 2019 in einer von uns bei forsa beauftragten Umfrage 86 Prozent der Schulleitungen, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachtet. Die Expertise von Lehrkräften und ihre Erfahrungen müssen deshalb auch bei Entscheidungen der Kultusministerkonferenz einbezogen werden. Wir setzen uns daher mit Nachdruck dafür ein, dass der momentan angedachte  Bildungsrat nicht nur ein wissenschaftliches Begleitgremium wird, sondern dass auch Stimmen der Praxis eingebunden werden.“