Gesundheit & Zufriedenheit

Wenn atmen der erste Schritt ist

Deutscher Lehrkräftetag 2026 stand unter dem Fokus Konfliktmanagement

Konfliktpädagoge Raphael Kirsch bei seiner Keynote auf dem DLT 2026

Konflikte müssen nicht immer sofort gelöst werden. Eine einfache Erkenntnis, die aber ein hohes Entlastungspotenzial mit sich bringt. Sie wurde überbracht von dem Keynote-Speaker des Deutschen Lehrkräftetages 2026, Raphael Kirsch. Er machte, auch anhand seiner eigenen Berufsbiografie als ausgebildeter Erzieher und Konfliktpädagoge, auf einen elementaren Punkt aufmerksam. Auf Konflikte sind viele, die im Bildungssystem arbeiten, fachlich kaum vorbereitet – weder durch konkrete Fallarbeit noch durch Kommunikationstraining.

Die Herausforderung: Gerät man in eine Situation ohne Strategie, übernimmt das limbische System. Kampf, Flucht oder Starre sind die Folge. Es gilt daher, zu versuchen, nicht impulsiv zu reagieren, sondern Haltung zu bewahren. Das beginnt mit etwas scheinbar Banalem: atmen. Und dann den Konflikt nicht sofort lösen zu wollen, sondern zunächst die Situation so zu stabilisieren, dass sie nicht weiter eskaliert. Eine geeignete Deeskalationsstrategie ist Irritation, am besten gepaart mit authentischem Humor. Dabei darf jedoch niemand beschämt werden, da dies zentraler Treiber von Aggression ist. Nicht zuletzt sollte am besten schon im Vorhinein klar sein, was bei einem bestimmten Verhalten passieren wird. So grenzt Kirsch Konsequenz als klar auf die Handlung bezogene und transparente Situation von Strafe als ungezielter Sanktion ab.

Dieses Vorbereitet-Sein stellte Maximillian Schulyok, Vorsitzender des Verband Bildungsmedien e. V., in den Mittelpunkt seiner Ausführungen bei der anschließenden Diskussion. Er forderte für Lehrkräfte eine bessere strukturelle Unterstützung, ähnlich wie in anderen Hochbelastungsberufen: Klare Protokolle für Krisensituationen und verbindliche Debriefings nach Konflikten könnten helfen, Sicherheit und Professionalität zu stärken.

Das ist wichtig, denn der Sächsische Staatsminister für Kultus, Conrad Clemens, machte deutlich, dass Konflikte im schulischen Kontext zunehmen und die Belastung für Lehrkräfte wachse. Er setze daher auf die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams und kleinere Lerngruppen. Die sinkenden Schülerzahlen sollen daher als demographische Rendite genutzt werden, anstatt den Fehler zu wiederholen (wie nach der Wende), Personal einzusparen. Moderatorin Katja Irle stellte dazu fest, dass er damit den gewerkschaftlichen Forderungen sehr entgegenkomme; Tomi Neckov, der Bundesvorsitzende des VBE, hatte aber weitere Punkte. Insbesondere erinnerte er den Bildungsminister Clemens an eine zentrale Forderung des VBE: Demnach sollte sich Deutschland endlich an der Erhebung zum Berufsfeld Lehrkraft, TALIS, beteiligen.

Gleichzeitig warnte Neckov davor, die Verantwortung für Konflikte allein bei Schule zu verorten – gesellschaftliche Entwicklungen wie digitale Medien oder politische Radikalisierung sowie die Einstellungen der Eltern wirken direkt in den Schulalltag hinein. Damit Raum geöffnet wird, um an der Schule hierüber zu sprechen, braucht es mehr Zeit, forderte der VBE-Chef Neckov. Conrad Clemens stellte eine Klassenleiterstunde, wie sie in anderen Ländern bereits implementiert wurde, in Aussicht. So wird deutlich: Wer sicher mit Konflikten umgehen möchte, braucht neben einer starken Haltung und der notwendigen Vorbereitung auch den Raum, um Demokratie erlebbar zu machen – und Konflikte mit Worten zu lösen und Bildungsmomente damit zu schaffen.


Der Deutsche Lehrkräftetag (DLT) wird zusammen vom VBE Bundesverband und seinen Landesverbänden, dem Sächsischen Lehrerverband im VBE (SLV), dem VBE Sachsen-Anhalt und dem thüringer lehrerverband (tlv) in Kooperation mit dem Verband Bildungsmedien e. V. und der Leipziger Buchmesse durchgeführt und steht 2026 unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz, bayerische Staatsministerin für Bildung. Er fand am 20. März 2026 unter dem Motto „Klarer Kurs auf gute Bildung“ statt.