Berlin, Bildungsfinanzierung Lehrerbildung/-mangel

Länder geben zum Schuljahresbeginn enttäuschende Signale

„Ein Land nach dem anderen stiehlt sich aus der Zusage, die ‚Demografierendite‘ im Bildungsbereich zu halten“, kritisiert VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann mit Blick auf die Lehrerversorgung im neuen Schuljahr. „Damit nehmen sie den Schülerinnen und Schülern Bildungs- und Deutschland wichtige Zukunftschancen. Es war Konsens, mindestens die frei werdenden Mittel aus dem Rückgang der Schülerzahlen zur Verbesserung der Lernbedingungen an den Schulen einzusetzen“, erinnert Beckmann. „Das haben die Ministerpräsidenten auf den Bildungsgipfeln zugesagt. Nun setzen sie lieber auf die Vergesslichkeit der Bürger anstatt auf mehr Chancengerechtigkeit für die junge Generation. Nach der Kappung der Pläne, die Bildungsausgaben auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2015 zu erhöhen, verweigern immer mehr Länder nun auch noch die ‚Demografierendite‘ für den Bildungsbereich. Damit wird die Bildungsrepublik endgültig zur Worthülse.“

Beckmann weiter: „Ein deutliches Alarmsignal war für den VBE auch die jüngste Modellrechnung der Kultusminister zum Lehrerbedarf bis 2020. Die Länder haben mit dem Rotstift den Lehrermangel in einen Lehrerüberschuss umgeschrieben. Die Berechnungsgrundlage dafür entbehrt jeder Transparenz und ist anscheinend zur geheimen Ländersache erklärt worden.“  Ein Griff in die Trickkiste sei es, so Beckmann,  wenn vor diesem Hintergrund werbewirksam neue Lehrerstellen angekündigt würden, um zu verdecken, dass in Wirklichkeit infolge des Rückgangs der Schülerzahlen die Gesamtzahl der Lehrerstellen reduziert werde. Ein Beleg dafür sei auch, dass nicht in allen Ländern alle Stellen neu besetzt würden, die durch Kolleginnen und Kollegen, die in den Ruhestand gehen, frei würden.

Beckmann abschließend: „Die Einstellungspolitik der Länder lässt für das kommende Schuljahr Schlimmes ahnen. Sie wird zur Folge haben, dass es steigenden Unterrichtausfall und größere Klassen geben wird. Anstatt die Bedingungen für individuelle Förderung zu verbessern, entfernen wir uns von diesem Ziel mehr und mehr. Vor dem Hintergrund der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bildungsbereich, gereicht das Bild, das die Länder von der Bildungsrepublik malen, zur Farce. Der VBE wird aber nicht zulassen, dass notwendige Veränderungen im Bildungsbereich auf dem Rücken der Lehrer und Schüler ausgetragen werden, weil die Ministerpräsidenten den Finanzministern die Hoheit über die Bildungspolitik übertragen. Das Erreichen der Ziele des Dresdner Bildungsgipfels von 2008 muss oberste Priorität bekommen, wenn die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten weiter ernst genommen werden wollen.“