Berlin, Lehrerbildung/-mangel

Personalmangel ist das Kernproblem

KMK-Präsidentschaftsübergabe

„Es ist keine einfache Situation, in der die Ministerin Ernst das Präsidentschaftsamt der Kultusministerkonferenz übernimmt. Wir wünschen ihr, dass sie als erfahrene Bildungspolitikerin die Kraft hat, die unterschiedlichen Bestrebungen zu einen, die Zuversicht, dass dies noch immer irgendwie gelungen ist, und den Mut, sich aber dennoch nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufriedenzugeben“, erklärt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich der KMK-Präsidentschaftsübergabe von Ministerin Dr. Hubig (Rheinland-Pfalz) an Ministerin Ernst (Brandenburg) am Donnerstag, den 14. Januar 2021.

Er stellt fest: „Im Fokus aller Bestrebungen steht die Bewältigung der aktuellen Krise. Die Diskussionen um Schulschließung und -öffnung, Präsenz- und Wechselunterricht oder die Bedingungen für Abschlüsse und Prüfungen sind richtig und wichtig. Sie dürfen aber nicht vergessen lassen, dass es schon vor der Corona-Pandemie große Herausforderungen im Bildungsbereich gab. Zentral ist der Lehrkräftemangel, der sich zunehmend verstärkt. Wenn wir diesen Mangel nicht schnellstens beheben und es nicht schaffen, zur Unterstützung multiprofessionelle Teams an den Schulen zu etablieren, wird sich die Bildungsungerechtigkeit, die es bereits vor Corona gab, aber sich hierdurch noch verschärft hat, weiter verfestigen. So gaben die Schulleitungen in der vom VBE beauftragten forsa-Schulleitungsbefragung 2018 an, dass an jeder dritten Schule Lehrkräfte fehlen, 2019 klagte jede zweite Schulleitung darüber und im Frühjahr 2020 fehlten an fast 60 Prozent der Schulen Lehrkräfte.“ Beckmann fordert daher: „Es braucht eine klare Strategie zu dessen Behebung. Die Attraktivität des Berufsfeldes muss gesteigert werden. Es braucht die gleiche Bezahlung unabhängig von Schulform und -stufe, insbesondere die gleiche Eingangsbesoldung A13 für alle und eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, dazu gehört auch ein besonderer Fokus auf den Gesundheitsschutz.“ Die Behebung des Personalmangels sei auch vor dem Hintergrund essenziell, dass schon in 4 Jahren der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt werden soll. „Bis jetzt kann aber niemand erklären, wo die zusätzlich benötigten Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher dafür herkommen sollen. Das wird ein Kraftakt, auf den noch niemand vorbereitet ist“, stellt Beckmann fest.

Der Bundesvorsitzende des VBE kritisiert, dass immer wieder Erwartungen geschürt, aber die notwendigen Ressourcen für die Schulen verweigert werden. Dies sei besonders auffällig bei dem „Lernen in der digitalen Welt“. Dazu sagt er: „Schon als der Digitalpakt angekündigt wurde, dachten viele, dass damit Geld an die Schulen fließt. Allerdings wurde der Pakt erst 2,5 Jahre später beschlossen – und bis heute sind die Regelungen so komplex gestaltet, dass es schwierig ist, an Gelder zu kommen. Wenn die neue KMK-Präsidentin die Digitalisierung schneller an Schulen bringen will, muss sie auch dafür sorgen, dass dies unkompliziert möglich ist.“