Neue Studie zeigt: Digitalisierung kommt nur im Schneckentempo voran

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Im Bundestagswahlkampf war die Digitalisierung eines der großen Themen, gerne auch in Kombination mit Bildungspolitik. Angekündigt wurde deshalb die Umsetzung des Digitalpakts Schule. Dieser ist nach zähen Verhandlungen im März 2019 in Kraft getreten. Die neueste forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) beweist, dass die Investitionen dringend notwendig sind. Denn: Nur jede dritte Schulleitung sagt, dass es in allen Klassen- und Fachräumen Zugang zum schnellen Internet und WLAN gibt. Und ebenfalls nur jede dritte Schulleitung gibt an, dass es mindestens einen Klassensatz an digitalen Endgeräten für die Schülerinnen und Schüler gibt. Die Zahlen sind im Vergleich zu 2014 deutlich besser geworden, zeigen aber auch: Wenn sich die Digitalisierung an Schulen in der gleichen Geschwindigkeit vollzieht wie in den letzten 5 Jahren, werden wir erst 2034 erreicht haben, dass es an allen Schulen einzelne Klassensätze an digitalen Endgeräten gibt. Dazu kommentierte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, bei der telefonischen Pressekonferenz am 06. Mai 2019: „Um den an Schule gestellten Ansprüchen gerecht zu werden, braucht es endlich mehr als Sonntagsreden und einzelne Leuchtturmprojekte. Was in der Breite funktionieren soll, muss auch in der Bandbreite der Möglichkeiten der Schulen gefördert werden. Neben den Geldern des Bundes für den Digitalpakt braucht es dafür kräftige Investitionen der Länder und Kommunen.“

Weitere Kernergebnisse der am 06. Mai 2019 vorgestellten Studie:

  • Bring your own device: An kaum einer Grundschule, jedem zweiten Gymnasium und jeder dritten anderen Sekundarschulform werden die Geräte der Schülerinnen und Schüler für den Unterricht genutzt. Allerdings sagen 70 Prozent der Schulleitungen, dass einzelne Kinder kein Gerät besitzen, 63 Prozent weisen auf die zu hohe Anforderung für Lehrkräfte hin, auf unterschiedlichen Geräten unterschiedliche Systeme zu erklären. Und die Hälfte der Schulleitungen sagt, dass die Gefahr des Mobbings steige.
  • Wartung der IT-Infrastruktur: Zwei von drei Schulleitungen geben an, dass sich einzelne Lehrkräfte um die Sicherheit, Stabilität und Aktualisierung der IT-Ausstattung kümmern. Das ist im Vergleich zu 2014 ein Rückgang um 10 Prozentpunkte. Gleichzeitig steigt die Wahrnehmung dieser Aufgaben durch IT-Fachpersonal allmählich. Gab es das 2014 nicht einmal an der Hälfte der Schulen, geben dies jetzt 59 Prozent der Schulleitungen an.
  • Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte: 72 Prozent der Lehrkräfte bilden sich privat fort, 65 Prozent konnten an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen und 58 Prozent haben sich mithilfe von anderen Lehrkräften die notwendigen Kenntnisse angeeignet.
  • Ausstattung der Lehrkräfte: An einem Drittel der Schule gibt es für keine Lehrkräfte, an knapp der Hälfte für nicht alle und nur an einem Fünftel der Schulen für alle Lehrkräfte dienstliche Computer. Und nur an der Hälfte der Schulen haben alle Lehrkräfte eine dienstliche E-Mail-Adresse.

Forderung des Verbandes Bildung und Erziehung ist deshalb, ausreichend – und damit weit über die Bundesinvestitionen hinaus – zu investieren. So kann die dringend benötigte Infrastruktur bereitgestellt und können die Lehrkräfte angemessen ausgestattet und durch IT-Fachpersonal entlastet werden. Außerdem muss es Anspruch der Kultusministerien sein, dass alle Lehrkräfte innerhalb ihrer Dienstzeit an von staatlicher Seite angebotenen und bezahlten, qualitativ hochwertigen und stetig evaluierten sowie entsprechend optimierten Fortbildungen teilnehmen können.

Informationen zu der Digitalisierungsumfrage finden Sie hier.